Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Was geben wir der Jugend zu lesen usw. 55 aus der Zerrissenheit zur Harmonie zu führen, ohne die es keine rechte Emunoh, keine Persönlichkeit gibt. Das Buch macht am meisten Eindruck auf die Seele des 16jährigen, das ihm eine über dem Alltagsleben wirkende, erhöhende und verschönende Kraft in seinem Innern nachweist, und dies um so mehr, je mehr wir die Auswahl seiner Lektüre danach treffen, über die berechtigten stofflichen Wünsche hinaus, zum Schöpferischen in der Sprache, zum erkennenden Inhalt, zur Gestaltung des Stoffes durch das dichterische Wort hinzuleiten. Dann wird das jüdische Buch ihm zum Freunde und Retter, uns zum wertvollen Mitarbeiter am Werk unseres Lebens und an der Aufgabe unserer Zeit. V. Ich glaube hiermit das Wesentliche über die Frage, was und wann und wie unsere Jugend lesen soll, gesagt zu haben. An einzelne Bücher prüfend heranzutreten und die genannten Maßstäbe anzulegen, halte ich hier nicht für meine Aufgabe. Wenn wir die Quellen der Begeisterung erschließen, die in der Jugendlektüre rauschen, so ist das ein Werk der Rettung für alles, was Schule und Haus an Erziehung leistet, ein Werk der Heimkehr und der Gutmachung auf dem Wege von Mendelssohn bis heute. In 2000 Jahren hat unser Volk eine heilige Literatur geschaffen. Sie ruht als Erbmasse in unseren Kindern, die Schule allein kann sie nicht aktivieren, da muß die Jugendlektüre kommen, um jüdische Lehre und jüdisches Leben in Freiheit und Liebe und Schönheit erleben zu lassen, um entsprechend der doppelten Bedeutung des hebräischen Wortes קריאה aus der Lektüre den Ruf zu vernehmen an die jüdische Seele, aus der Mauroscho eine Meaurosso zu machen und das Herz der späten Enkel für die Geistesarbeit ihrer Väter wiederzugewinnen.