Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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54 Was geben wir der Jugend zu lesen usw. chauvinistische Bücher, darum so wertvoll, wenn im echt jüdischem Sinn nationale Bücher ihm in die Hände geraten. Lebensbeschreibungen und geschichtliche Darstellungen müssen da besonders vorsichtig sein, die Jugend braucht auf der einen Seite anschauliche und bedeutende dramatisch gesehene Bilder, auf der anderen Seite menschlich und geschichtlich wahre, die auch die Flecken und Schatten nicht verbergen. Falsche Idealisierung und Unwahrhaftigkeit erschwert ihr die richtige und geschichtliche Einstellung umsomehr, als in dem aus dem Gleichgewicht herausgerissenen, innerlich oft einsamen jugendlichen Menschen dieses Alters die Sehnsucht, sich einem Ideale hinzugeben, und den verehrten Helden oder Lehrer anzuschwärmen, ins Ungemessene steigt. Wie groß gerade für diese Zeit die Verantwortung für die jüdische Jugendpflege ist, liegt auf der Hand, ebenso wie, daß gerade in dieser Zeit die eifernde Verdammung und extreme Ansicht über einen Stand und eine Weltanschauung am leichtesten sich in das aufs Absolute gerichtete schnell fertige Urteil des Jugendlichen einschleicht. Aber der Lebensplan zerbricht, die Welt hemmt und drängt. Mit dem Hineinwachsen in die verschiedenen Gebiete des objektiven Geistes muß notwendig und schwerer Konflikt beginnen, von Berg zu Tal bewegt sich Gedanken- und Gefühlsleben des Jugendlichen, der Zweifel an sich und Kritik an der Umwelt mit all ihren tatsächlichen und eingebildeten Widersprüchen. Der Jugendliche in jener Periode wird zum Allerweltskritiker, zur Plage des Hauses, wo er keine Schonung kennt, und zum Schmerzenskind der Schule. Das künstlerische Verständnis wäre da, wenn wir es zu pflegen verständen und versuchten. Wir machen uns gewöhnlich viel zu viel mit den äußeren Symptomen dieser Zeit und ihrer Abhilfe zu schaffen, statt positiv entgegenzuwirken. Wenn wir für keine Epoche den Wert des Äesthetischen für seine Entwicklung anerkennen, für diese müssen wir es, denn jetzt handelt es sich darum, aus der Unruhe zur Ruhe, aus der Kritik zur Bejahung, aus dem Verstandesmäßigen zum Gefühl,