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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 53 (sequence 55)
Language
German
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Was geben wir der Jugend zu lesen usw. 53 dem Boden der Wirklichkeit stehen, für Beruf und Ehe nicht entsprechend erzogen werden. Nirgends gibt es so viel von Illusion erfüllte, in schmerzbetontes Gefühl sich einspinnende, Verkennung leidende Frauen, wie unter uns. Eine sorgfältige, literarische Errziehung, verständnisvolle Beratung und ein starkes Vertrauensverhältnis zwischen Eltern bezw. Eltern und Kindern demnach ein unbedingtes Erfordernis: für die Privatlektüre und den deutschen Unterricht in der Schule. Die seelische Pubertät, die an sich bei den Mädchen früher einsetzt als bei den Knaben, dauert heute bei der Kompliziertheit der Kultur viel länger als früher. Daher kommt es, daß uns heute Probleme erwachsen, die für die Judenheit früher nicht existierten. Umso dringender müssen wir den Ruf nach einer für dies Älter geeigneten Jungmädchenlektüre erheben. Der Jugendliche im ersten Abschnitt der eigentlichen Pubertät hat nicht mehr das naive Erlebnis, darum auch nicht das Interesse am nur Stofflichen, an seine Stelle tritt die Intensität. Das Äbenetuerliche ist schon am Ende der Pubertät an Bedeutung zurückgetreten und hat der Vorliebe für das Historische Platz gemacht. Das historische Buch, die Noveile oder der Roman, historische Balladen oder Dramen werden wegen ihres Wirklichkeits- und Spannungsgehaltes hervorgeholt. Ein glaubhaft und seelisch wahr gezeichnetes Bild einer historisch merkwürdigen und großen Zeit, ihres Kämpfens und Ringens zwingt der Jugend Bewunderung ab, während das Phantasievolle von dem inzwischen entwickelten kritisehen Verstände abgelehnt wird. Aus der Beschäftigung mit seinem Ich schreitet der Jugendliche allmählich zur Bildung eines Planes für sein Leben fort, nur was er selbst in seinen Lebensplan aufnehmen kann, was objektiv möglich, ringt ihm Bewunderung ab. Einfühlen und Nacherleben, Identifizierung mit den Helden und Stolz bricht aus ihm hervor, das Nationale meldet sich oft geradezu übertrieben und überspannt. Darum ist es gerade für diese Zeit so gefahrvoll, wenn

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