Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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52 Was geben wir der Jugend zu lesen usw. Mädchen sind allgemein in geistiger und geschlechtlicher Beziehung dem Knaben ein bis zwei Jahre voraus. Das erfordert eine frühe Differenzierung nach besonderen Typen, wie Else Croner deren fünf unterschieden hat: den mütterlichen, erotischen, romantischen, nüchternen und intellektuellen. Außer dem ersten sind sie wohl auch alle beim Knaben zu finden. Beim natürlichen Zusammenleben der Geschwister geht das Mädchen noch in der Abenteuerlektüre mit dem Knaben zusammen und bleibt dadurch vor der Ueberwucherung an sentimentalen Neigungen bewahrt. Unzweckmäßig, ja schädlich, weil unfruchtbar bleibt sie für die Mädchen, die mit einem angeborenen und zeitig entwickelten Gefühl für Weiblichkeit und Mütterlichkeit ausgestattet sind. Aber schädlich ist für sie die Jungmädchenlektüre, die unter dem Namen Backfischgeschichten berüchtigt und von Charlotte Bühler und Gertrud Bäumer einer vernichtenden Kritik unterzogen wurden. Liebäugeln mit dem eigenen Ich führt beim erotischen Typ zu Gefallsucht, Koketterie und Eitelkeit. Fronemann hat darum recht, wenn er nicht nur den literarischen Unwert und die Sinnlosigkeit, sondern auch die pädagogische Schädlichkeit der Backfisch- und Pensionsgeschichten hervorhebt. Die Liebe in ihrer seichtesten Form wird da aufgetischt und ihr Hauptwert im Flirt und in der Hochzeit gesehen. Was soll aber an ihre Stelle treten? Die Jugendschriftenkritiker empfehlen die Lebensschilderungen praktisch tüchtiger und geistig bedeutender Frauen. Erzählungen hervorragender Schriftstellerinnen, die das Alltagsleben mit seelischer Vertiefung zu gestalten vermögen. Dar- Stellungen des Volkslebens, die zu sozialem Denken und Fühlen erziehen, das alles ist für uns aus unseren Kreisen schwer zu gestalten, da die jüdische Frau erst seit kurzem in der Oeffentlichkeit wirkt. Die Frage geeigneter Mädchenlektüre berührt die wundeste Stelle im Leben des westlichen und östlichen thoratreuen Judentums. Wir sagen nicht zu viel, wenn wir dem Mangel einer solchen Lektüre zum Teil die Schuld zuschreiben, daß unsere Mädchen nicht genügend auf