Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Was geben wir der Jugend zu lesen usw. 51 liehe Haltung sich dadurch in gegensätzlicher Richtung zur Kulturgemeinschaft entwickelt, und, selbst wenn es nicht, wie in manchen Fällen, zur Kriminalität führt, doch Konflikte und Neurosen verschuldet, die sich nach außen als Kurz- Schlußhandlungen und Entgleisungen kundgeben. Wenn irgendwo, so ist hier ein spezifisch-jüdische Jugendlektüre am Platz. Hier muß gezeigt werden, hier allein kann gezeigt werden, welche Leiden wir selber durch solche sogenannten Helden zu erdulden hatten und auf welcher Seite der Geist, die Tiefe und die Kraft liegt, muß gezeigt werden, in der Ärt, wie Förster es in seiner Lebenskunde tut, Hajadajim jede Esav. Eine Gewöhnung vom Untergeistigen an das Tiefe und Reine ist die einzige Möglichkeit, um den verheerenden Folgen gerade dieser Ärt Lektüre in diesem Älter entgegenzuwirken. Wenn Freud das Verschlingen der Schundliteratur begrüßt, weil durch sie der Jugendliche von den kulturwidrigen, unsozialen und kriminellen Restbeständen menschlichtierischer Natur eine Selbstreinigung vornimmt, so zeigt das wieder, wie so mancher andere Zug, die Willkürlichkeit der Freud’schen Thesen. Denn die Behauptung, daß durch Versorgung mit kulturwidrigen, unsozialen und kriminalen Eiementen die Lust daran gemildert (statt daß sie, wie der gesunde Menschenverstand es sagt, gerade dadurch verstärkt wird), erinnert an das Verfahren der früheren Aerzte, die das sich Äusleben für sexuell Reizbare empfehlen. Wir werden vorsichtig sein müssen und für unsere Jugend alles, was jene Abnormität in irgend einer Weise fördern könnte, ausscheiden. Äbenteuerbücher, soweit sie auf wirkliches Erleben zurückgehen, Erzählungsschriften, die die Phantasie anregen, die Geschichte jüdischer Heiden, die in ihrer Pflichtgebundenheit, Entschlossenheit, Selbstüberwindung und Umsicht, durch das Ertragen von Hunger und Durst in gefährlichen Tagen Helden wurden, werden wir ihnen geben, allerdings wieder die Extreme, das Kraftmeiertum und die Askese beiseite lassen. Erzählungen exotischer Abenteuer, großer Forschungsreisen, Berichte kühner Piloten usw. können wir ihnen bieten, ohne daß der Stoff der jüdischen Geschichte entnommen wird.