Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 50

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 50 (sequence 52)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2293072-2293073--10887-2304186
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

50 Was geben wir der Jugend zu lesen usw. und für Dulder hat es wenig Verständnis. Der Versuch müßte fortgesetzt werden. Haben wir doch auch in der großen tränenreichen Geschichte unseres Volkes Gestalten und Epochen, die dem Aktivismus und nach außen gerichteten Interesse der Jugend entgegenkommen. Die Gebrüder Tudela und David Reubeni, der Herzog von Naxos, die Familie Abarbanel und andere geben geeigneten Stoff für Darstellungen, die diesem Jugendalter Zusagen würden. Es folgt die zweite Uebergangszeit, die das 13. oder 14. Jahr umfaßt und sich auf die Pubertät einstellt. Die durch das Kino noch geförderte Neigung des Kindes für Kriminal- und Detaktivgeschichten bildet sein Ideal, seine Kraft zu erproben, mutig, willenskräftig und stark zu sein. Hier liegt eine große Gefahr. Die übermäßige Hingabe an berauschende Stoffe, führt zur Ueberhitzung der Phantasie und beim triebhafteren Kind zu Wach- und Tagträumen. Die Vorliebe für das Abenteuerliche artet danach leicht in Großmannsucht und Renommisterei aus. Die Selbstdisziplin und die Herrschaft über die Triebe geht leicht verloren. Um das Sexuelle kreist sein Denken. Eine Kluft tritt ein, zwischen der Welt, in der sich der Junge geistig und seelisch mit seinem Sinnen und Sehnen bewegt, und derjenigen, in die er hineingewachsen ist, in der er physisch lebt. Hier Vorstellungsleben, dort reale Welt. Da wird oft der Grund zu einer Art Doppelleben einerseits zu einer die Wirklichkeit und Einbildung nicht mehr unterscheidenden Lebensart gelegt. Noch eine andere Gefahr droht gerade in diesen Jahren. In seiner Abhängigkeit von seiner Umgebung und seinem Geltungsdrang schließt sich das Kind oft Kameraden an, die durch Schundlektüre und obszöne Reden ihr Erwachsensein dokumentieren wollen und es an seinem Nervensystem und seiner Seele schwer schädigen. Die Aufpeitschung der Insitnkte durch stillose Schilderungen,, von gräßlichen Verbrechen und Gefahren und von allem, was Grausen und Entsetzen erzwingt, ja sogar von viehischer Gemeinheit und Lebensrohheit ist in solcher Schundliteratur begründet. Dazu kommt, daß das ganze Denken und die sitt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.