Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 49

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 49 (sequence 51)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2292929-2293072-2293073--10886-2304185
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Was geben wir der Jugend zu lesen usw. 49 Zweierlei Strebungen entwickeln sich im Jugendlichen: 1. Von seinem Ich aus sucht das Kind eine Brücke zu schlagen, die reale Welt in sich hineinzuziehen. Das Verlangen nach Wirklichkeit, freilich einer die Phantasie beflügelnden Wirklichkeit, d. h. einer fernen, farbenfrohen, grenzenlosen Wirklichkeit, macht sich geltend. Das Leben der engeren Umgebung bietet ihm nicht genug Abwechslung, es ist zu abgesteckt und eingedämmt, zu monoton und zu sehr dem eigenen gleich. Je entlegener der Schauplatz der Geschichte ist, je weiter er sich von dem ihm gewohnten und vertrauten Leben entfernt, desto lieber beschäftigt es sich mit ihm. Wäre es nur das Ferne, das könnten wir ihr geben, aber es kommt noch ein anderes Moment hinzu. 2. Es ist das Älter, in dem das Kind sich seiner Körperkraft bewußt wird, dem Abenteuerliehen und Heldenhaften sich zuwendet . Der 12jährige Junge ist tatenlustig und interessiert sich für alle Heldentaten von grauester Vorzeit bis über ferne Meere und exotische Länder. Hier wird sich die größte Schwierigkeit für eine jüdische Jugendlektüre ergeben. Woher sollen aus unserer Geschichte die Gestalten des Achilles und Ajax, des Cortez und Kolumbus erstehen? Das Buch soll in atemloser Spannung erhalten, in wilden, glühenden Farben geschildert, dem Abenteuerliehen und Heldenhaften zugewandt sein. Woher sollen wrir aus unseren Erfahrungen Coopers Lederstrumpf und Sonnleitners Höhlenkinder nehmen? Das angelsächsische Schrifttum, das den Robinsohn hervorgebracht hat und reich ist an solchen Abenteuerbüchern brauchte nur seine Erinnerungen aus der Wickingerzeit (was übrigens neuerdings bestritten wird, ebenso wie sein pädagogischer Wert) hervorzuholen. Doch wir könnten ähnliche Erinnerungen, höchstens aus der Zeit der Richter schöpfen, und diese erscheint uns nicht ideal. Unsere Helden sind nicht Helden der Abenteuer und Kriegsfahrten, vielmehr Helden des Entsagens, und Lernens und Leidens . Carlebach konnte sein Büchlein für Kinder dieses Alters nicht besser benennen, als ״Von Duldern und Kamp״ fern“, aber das Kind verlangt auch nach anderen Kämpfern 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.