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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 48 (sequence 50)
Language
German
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48 Was geben wir der Jugend zu lesen usw. zu reichen, als Lektüre auf dieser Stufe aber lieber in schönen Darstellungen die Bibel, die Midraschim und Agadasamm״ lung vorzuziehen. Das Märchen freilich ist etwas anderes wie der Midrasch. Das Märchen wird von dem Kind als heute noch in der Wirklichkeit spielend angesehen. Der Mi״ drasch aber ruht auf einer Wirklichkeit und wurzelt im Wahr״ heitscharakter der Thora. Es kommt also darauf an, daß die Midraschim nicht als Sagen und Legenden dargestellt werden. Kunstmärchen, wie wir sie beispielsweise von Irma Singer oder in dem von der Loge herausgegebenen Märchenbuch haben, sind unbedingt zu empfehlen. Im ersten Uebergangsalter von 9—12 Jahren, der Liquida״ tion der Kindheit, zeigen sich keine festgelegten Stoffinteressen, da gibt es ein Vielerlei, beim Knaben noch mehr, als beim Mädchen. Das Kind fängt an, die Märchen als unwahr und nicht nur als unwirklich zu empfinden. Es bekommt einen Sinn für die jeder Dichtung innewohnende innere Wahrheit. Erzählungen aus Heimat und Umgebung und Tiergeschichten, letztere nicht mehr mit typischen und menschenähnlichen Zügen, sondern mit realistischen Schilderungen des beson״ deren Lebens, Schicksals und Charakters des Tieres, werden herangezogen. Das sind neutrale Stoffe. Wir haben zwar auch in der jüdischen Literatur Tiersagen, aber mit ihrer Dar״ Stellung und Motivierung gehören sie der Märschenstufe oder der Mystik an. Darum können wir sie ruhig aus der nicht״ jüdischen Literatur entnehmen. Im 11.—12. Jahre verlieren die Kinder die Lust am Märchen und damit auch die Lust an Midraschim, um auf einer älteren Stufe ihr wieder nahe zu kommen. Auch liegt es nicht im Interesse des Kindes, daß man ihm über diese Zeit hinaus Legenden zu lesen gibt, die es nur zur Mystik bringen. Denn die Pubertät wirft ihre Schatten voraus, und die Entwicklung des Ichbewußtseins zeitigt ihre Folgen. Von da an läßt sich eine Absonderung der Märchen von den bis dahin gemeinsamen Interessengebiet feststellen.

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