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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 47

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 47 (sequence 49)
Language
German
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Was geben wir der Jugend zu lesen usw. 47 Sympathien und Antipathien hervor und verankert sie im Märchenreiche; c) die Aufhebung der gesellschaftlichen und kulturellen Unterschiede entspricht der unerfahrenen Denkweise des Kindes; d) der kunstlose Aufbau der schlichten, unmotivierten Handlung; e) das Fehlen von Zustandschilderungen und f) die Auflösung seelischer Vorgänge in personifizierte Kräfte. Das alles hat die Märchen der Jugend so teuer gemacht, und in der Tat entspricht das ihrem innersten Wünsehen und Sehnen. Der Pädagoge hinwieder ist im allgemeinen heute für das Märchen, und rechtfertigt diese Hineinversetzung des Kindes in eine Welt, die gar nicht existiert, mit dem kulturhistorisch literarisch wertvollen Einbrick, den sie in die Urform der deutschen Volks- und Menschheitsgeschichte und der Kulturstufentheorie gewähren. Paul Barth macht ihre Berücksichtigung in der Jugendlektüre von der sittlichen Vorsteilungsweit und der sittlichen Nutzanwendung abhängig, darum lehnt er, wie die meisten Pädagogen, 1001 Nacht ab. Die Frage ist aber für uns, ob wir Grund haben, diese Märchen unseren Kindern als Jugendlektüre in die Hand zu geben, ob sie nicht für uns wie 1001 Nacht für sie sind. Samson Raphael Hirsch ist bekanntlich aus Gründen der Erziehung zur Wahrheit (Rationalismus) und aus Rücksicht auf die christologische Tendenz mancher derselben sehr dagegen gewesen.2 Solche Stücke gibt es natürlich in den Grimm’schen Märchen eine ganze Menge. Wir sind aber unkritisch genug, um ein Buch, welches den Titel Märchen trägt, als für die Kinder geeignet zu betrachten. Darum neige ich dazu, die Märchen nur in einer ganz bestimmten Auswahl den Kindern 2 Es ist in der Tat schwer für einen jüdischen Lehrer, ein Märchen wie das vom armen und reichen Mann mit jüdischen Kindern durchzunehmen. Jch kam gerade in eine solche Deutschstunde und mußte bedauern, daß die Lehrerin das aufgegeben hat. Die Kinder haben wohl mit Eifer erzählt, vom Petrus mit dem Himmelsschlüssel, aber die ganze Stimmung war so gespannt, daß im Gegensatz zu anderen Stunden, weder Lehrer noch Kinder irgend eine Frage taten.

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