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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 46 (sequence 48)
Language
German
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46 Was geben wir der Jugend zu lesen usw. angehört, nach ganz bestimmten Büchern, die es besonders beeinflussen. Darum gilt es, ebensosehr darauf zu sehen, daß bei der Aufstellung einer Bücherliste der Inhalt charakterisiert und die Schreibweise beurteilt, als daß die Altersstufe genannt wird. Beides soll dem Jugendpfleger die Möglichkeit geben, zu entscheiden, ob ein Buch für das oder jenes Kind geeignet ist. In der Jugendschriftenbewegung wird nicht umsonst in neuerer Zeit vielfach betont, daß bestimmte Literaturgruppen nicht unbesehen jedem Lebenskreise dargeboten werden können. Das ist für die evtl. Zusammensetzung eines auch für den Osten geltenden Prüfungsausschusses wichtig. Für die Unterscheidung der Typen hat Charlotte Bühler wertvolles Material geliefert, indem sie vier Entwicklungsstufen im Verhalten des Kindes aufzeigte. Das Struwwelpeter-, Märchen-, Robinson- und Heldenalter. Die Struwwelpetergeschichten mit ihren häßlichen Bildern und ihren maßlosen Uebertreibungen waren bis vor Kurzem eine selbstverständliche willkommene Lektüre der Kleinen. Es verdient ernst nachgeprüft zu werden, ob wir, besonders ob wir Juden nichts besseres zu bieten haben. Das Bilderbuch von Adele Sandler war sehr schön, nur etwas neutral und blaß, und vor allem: es blieb vereinzelt. Da Änregungen und Ermunterungen zu Neuem zu geben, wäre eine verdienstvolle Sache. Die einfach formulierte häusliche jüdische Moral muß jedenfalls für diese Zeit des Vorsingens und Vorlesens, Malens, Reimens und Spielens festgehalten werden. Auch ohne Parallele mit der Primitive. Was das Märchenalter anbetrifft, so bieten sich gewöhnlieh dafür die germanischen und antiken Stoffe dar. Eigentlieh waren das gar keine Stoffe für die Kinder und sind erst seit dem 18. Jahrhundert unter den sagenfeindlichen Aufklarem dazu geworden. Daß sie der Jugend, psychologisch betrachtet, besonders entsprechen, hat Charlotte Bühler mit viel Geschick hervorgehoben: a) Die Verkettung des Alltagliehen mit dem Wunderbaren; b) unkomplizierte, eindeutige, typische, gegensätzliche Zeichnung der Personen ruft seine

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