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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 45 (sequence 47)
Language
German
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Was geben wir der Jugend zu lesen usw. 45 zweitens zum Studium der Wesensart der allgemeinen Ideale auf bestimmten Altersstufen, und drittens zur Berücksichtigung der Lebensbedingungen, unter denen das Kind lebt. Diese drei Gesichtspunkte werden heute von den Jugendschriften-Kritikern angewandt, bevor sie ihre Bücher empfehlen. Der ganze Rückstand, in dem wir uns zu den modernen Er- Ziehungsbestrebungen vielfach befinden, zeigt sich natürlich auch in diesem Punkte. Wir haben keine ausgedehnte, fortgesetzte und stetige Sammlung von solchen Selbstzeugnissen oder statistischen Angaben über die von jüdischen Kindern hauptsächlich gewählte Lektüre. Daß eine solche Sammlung nicht nur für die Frage der Eigenart unserer Kinder von größtem Interesse wäre, sei nur nebenbei bemerkt. Tatsache ist, daß wir sie nicht haben. Wenn wir trotzdem heute bereits eine Liste und Vorschläge für die Gestaltung der jüdischen Jugendlektüre machen, so sind sie also nur provisorisch. Immerhin ergeben sich für uns drei Folgerungen aus jener eingangs erwähnten pädagogischen Forderung: Regelung der Jugendschriftenauswahl nach Altersstufen, Milieus und Typen. Der Wert des Buches liegt ja nicht allein in seiner objektiven Bedeutung, sondern darin, daß es im richtigen Alter an das richtige Kind herangebracht wird. Zu zeitige und zuviel Lektüre kann bei lecht erregbaren Kindern und noch mehr bei solchen mit krankhaften nervösen Anlagen schädlich sein. Das gilt für die Struwwelpeter- und Märchengeschichten ebenso wie für die philosophischen, die schon oft ein Kind zum Selbstmord veranlaßt haben. Dann aber muß das beherrsehende Motiv jeder Altersstufe in Betracht gezogen werden. Ist zuerst das Erwachen des Ichbewußtseins zu berücksichtigen und danach die Kindheitsbiographie zu pflegen, so taucht dann in der 2. Stufe der Pubertätszeit der ,,Lebensplan“ auf und fängt an, eine herrschende Rolle zu spielen, während auf einer dritten Stufe das Hineinwachsen in die verschiedensten Gebiete der Kultur seine Schwierigkeiten!macht. In der Zeit der Entwicklung des Ichbewußtseins greift das Kind je nachdem, ob es dem geistigen, oder erotischen Typ

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