Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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40 Was geben wir der Jugend zu lesen usw. höhung ihres eigenen Lebensgehaltes und eine Ahnung vom Reichtum der Lebensbeziehungen, die sie umsomehr ergreift, als ihr eigenes Leben, zumal bei den Gesetzestreuen, so eng scheint. Eine Ausweitung über das persönliche tägliche Leben hinaus, eine Vertiefung und Bereicherung der kindlichen Seele, das ists, was die Jugend auch sucht und was wir ihr geben müssen. Aber diese Sehnsucht pflegt das Kind in dem ihm eigenen Lebensrhgthmus. Denn auch hier, wie in der Frage nach dem Ziel können wir nicht über die Köpfe des Kindes hinweg. Damit erheben sich für die Jugendlektüre spezifische Forderungen .Jugend drängt auf Geschehnis, muß spannende, schnell fortschreitende und ergreifende Handlung haben, darf keine Zustandsschilderung und keine feine Stimmungsmalerei, keine nachdenkliche beschauliche Betrachtung bieten, muß der Phantasie Nahrung und eine den Kindern eigentümliche verstündliche Darstellung geben. Ist die Handlung seelisch folgerichtig entwickelt und spannend weitergeführt, schöpft sie die Phantasie aus der Tiefe der dichterischen Seele und nicht aus dem trüben Wasser der Leidenschaft und dem Tierischen und löst sie hohe, reine Gefühle aus, bietet sie endlich eine dem kindlichen Geiste entsprechende anschauliche Darstellung, so ist das heute nach allgemein angenommener Ueberzeugung eine geeignete Jugendlektüre. Setzen wir zu dem 1. Teil noch das Attribut jüdischer Menschen, sagen wir: Eine seelisch folgerichtig und spannend verlaufende Handlung jüdischer Mensehen, so haben wir das spezifisch jüdische Jugendbuch. Das hat nichts mit dem Verfasser zu tun. Wir müssen da nicht mit den Augen des Erwachsenen sehen, sondern vom Kinde ausgehen. Das Kind fragt nicht nach dem Verfasser, sondern nur nach dem Stoff. Wenn wir uns nur die Mühe geben, den Inhalt der Bücher zu lesen, so ist das wohl anstrengender, aber richtiger, als nach Titel und Verfasser abzuurteilen. Etwas anderes ist das Buch eines judenfeindlichen Verfassers, dessen Schriften wir aus Gründen der Selbstachtung und des Selbstbewußtseins keinen Eingang in unserer