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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 38 (sequence 40)
Language
German
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38 Was geben wir der Jugend zu lesen usw. in erster Linie eine Frage der Erziehung ist und bleibt. Die pädagogische Forderung des ,,sein sollenden“ und die stets zu stellende Frage nach dem ästhetischen Verhalten des Kindes sind miteinander zu vereinigen, um gegen das Ausschlagen des Pendels nach der einen oder anderen Seite eine Sicherung zu bieten. Das ist eine Plattform, auf der wir uns mit den Vertretern der allgemeinen Jugendlektüre durchaus treffen können. Ferner erscheint heute die Frage der Kunsterziehung und damit zugleich die literarische Erziehung unserer Jugend eingeordnet in den großen Bezirk der Volksbildung und das ist der 2. Punkt, in dem wir uns mit den führenden Männern auf dem Gebiete der Jugendlektüre treffen. Hoffmann und Äckerknecht und die psychologischen Untersucher sind sich darin einig, daß künstlerische Erziehung nur eine Teilaufgäbe ist und das Ziel einer künstlerischen Erziehung keinesfalls im ästhetischen Genießen liegen könne. Beide sehen das Ziel im Kulturellen und Sozialen, in der Umwandlung der Volksgemeinschaft zur Volkskulturgemeinschaft, in der Fähigkeit, die künstlerischen Anlagen und Triebe im Menschen so zu entwickeln, daß er in seiner Lebenshaltung von ihr erfüllt und fähig wird, ein Kunstwerk im Sinne des Verständnisses für schöpferische Urkraft nachzuerleben. Wenn wir als das Ziel unserer Erziehung ansehen, überall ein Letztes und Hochstes, im Menschen den Willen nach dem Höchsten dauernd hinzustreben, zu wecken, so deckt sich das Ziel der Jugend- Schriftenkritiker mit dem von uns angestrebten. Nun ist ja das Verhältnis der Menschen zum Buch, dem wichtigsten Mittel der freien Bildung, nach Gaudig eines jener Grundverhältnisse, an deren Gestaltung die moderne Kultur das größte Interesse hat. Um wieviel mehr müßten wir, ״das Volk des Buches“, heute, wo Kino und Rundfunk es zu verdrängen suchen, für uns und für unsere Kinder das Buch retten. Denn nur in der Vertiefung in ein gutes Buch findet sich der wahrhafte echte Mensch wieder. Bei der jüdischen Jugendlektüre von heute kann, wie wir gesehen, auch in Anlehnung an den Stand der Jugend-

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