Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 37 (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2293072-2293073--10874-2304173
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Was geben wir der Jugend zu lesen usw. 37 kindlichen und jugendlichen Seele mit nur ästhetisch einwand־׳ freien Mitteln zu befriedigen, aussichtslos sei. So hat sich der Ruf ,,Pädagogik vom Kinde aus“ auch auf diesem Gebiete energisch Geltung verschafft. Man sagte sich: ,,Wir reden über die Jugendlektüre, fragen wir doch die Jugend selber, was sie liest und am liebsten liest, dann können wir uns über die dabei wirkenden Kräfte am ehesten ein Bild machen.“ Demgemäß sind Untersuchungen vorgenommen worden über die Lieblingslektüre der Kinder, an der sich Psychologen wie Charlotte Bühler, Valentiner, Thar und unter den Katholiken Busse und Rumpf beteiligten. Danach wurden all diejenigen Bücher abgelehnt, die der Jugend nicht entsprachen. Das war nach Frohnemann die einzige Möglichkeit, auf wissenschaftlichem Wege das ästhetische Verhalten der Jugendliehen zu erforschen und ,,Wolgast aus dem Sattel zu heben.“ Ob man dabei systematisch Untersuchungsmaterial sammelte oder ohne Zahlentabellen das literarische Verständnis der Jugend zum Gegenstand der Untersuchung machte, auf jeden Fall wurde die Entscheidung über das Jugendbuch in die Hand der Jugend gelegt. Folgen wir Walter Hoff mann, der ebenso führend auf dem Gebiete der Jugendlektüre ist, so tritt auch bei ihm das Formale in den Hintergrund, Weltanschauung ist ihm die wichtigste Bildungskraft, der er eine überragende Rolle in der Volksbildung und Volksbüchereiarbeit zuweist. Denn Jugendlektüre ist Frage der Volksbildung und in ihrem Dienste scheut er nicht vor der Tendenz zurück: ״Einigung des deutschen Volkes in einem Glauben, in einer Anschauung von der Welt, in einer Ueberzeugung von dem Sinne des Lebens und den Aufgaben der Menschheit.“ Nach dieser zweifachen Stimme der Literariker und Psychologen muß festgestellt werden, daß von einer entscheidenden Stellung der ästhetischen Kunstform um der ästhetischen Genußfähigkeit willen in der J u gen d le k tü r e keine Rede mehr sein kann. Pädagogische und psychologische Richtungen begegnen sich heute in der Ueberzeugung, daß die Jugendschrift

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.