Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Was geben wir der Jugend zu lesen usw. 35 II. Um die Frage der spezifisch-jüdischen Jugendlektüre zu klären, können wir sie nicht isoliert betrachten, sondern müssen sie im Zusammenhang mit dem ganzen Fragenkomplex, wie er in der ausgedehnten Jugendlektüre niedergelegt ist, behandeln. Vier Fragen beschäftigen uns dabei: erstens die nach dem Ziel der Jugendlektüre, im Sinne der Zeit und dem Licht unserer Weltanschauung; zweitens die Forderungen, die danach an eine Jugendlektüre auch von uns zu stellen sind; drittens die Erforschung des Verhältnisses unserer Kinder zum Buch, und viertens die Wege zur richtigen Jugendlektüre. Was ist das Ziel der Jugendlektüre, literarisch-künstlerisch, moralisch-religiös oder geistesbildend? Bei der Frage nach dem Ziel können wir nicht an dem Namen Wolgasts vorübergehen, der 1896 in seinem berühmten Buch ,,Das Elend unserer Jugendliteratur“ die literarischkünstlerische Erziehung als Ziel dargelegt hat, und dem es gelang, im Laufe der Jahre einen immer größeren Kreis von Anhängern und Verkündern seiner Ideen um sich zu scharen. Die Jugendschrift in dichterischer Form, kein Tendenzbuch, kein Buch, das speziell für die Jugend geschrieben ist, nichts Unterwertiges und nur Stoffliches. Das sind einige seiner Hauptforderungen, die er, ausgehend von der sozialen und geistigen Umwälzung, die sich damals vorbereitete, aufstellte. Bis dahin waren alle Bücher gut gewesen, die einen patriotisehen, wenn auch noch so dick aufgetragenen moralischen oder konfessionellen Inhalt hatten oder auch nur dem Titel nach vermuten ließen. Um das Äesthetische kümmerte man sich nicht. Wenn wir auch anerkennen, daß die vereinzelt und verstreut vorhandenen Bücher der jüdischen Jugendlektüre nie so arg waren wie Schundliteratur, so müssen wir doch so ehrlich sein, zuzugeben, daß im Grunde eine Kritik auch der jüdischen Jugendschriften auf ihren Inhalt und ihren inneren Wert, abgesehen von der Tendenz, am Platze gewesen wäre, damals wie heute und heute so notwendig, wie damals. Das