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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 34 (sequence 36)
Language
German
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34 Was geben wir der Jugend zu lesen usw. später und wann und wie das Gift auf geht? Haben wir so wenig Ahnung von den gesicherten Ergebnissen der Psycho״׳ anaiyse, daß wir nicht wissen, wie auch im Unbewußten lagernde Erlebnisse zum Unheil ausschlagen können. Und ist הרהור עברה so bedeutungslos? All das schreit gebieterisch nach einer spezifisch-jüdisehen Jugendlektüre: Daß sie im historischen Judentum nicht schon längst vorhanden ist, läßt sich nur damit rechtfertigen, daß die Gefahr der unjüdischen Literatur erst seit 100 Jahren gegeben, daß früher unter uns eine eigene Jugendlektüre nicht notwendig war, weil die Kindheit dem Lernen gewidmet und die ganze Pubertätszeit mit ihren schweren Problemen auf ein Minimum abgekürzt und der Uebergang vom Kinde zum Mann durch den schweren Existenzkampf beschleunigt war. Daß endlich die einzige Literatur, die dem Jungen wie dem Alten zugänglich war, vom Hauch der Heiligkeit umweht war: Mussar, Agada, Maaße-Bücher, Zeeno Ureeno, das bot Nahrung für die vom Existenzkampf nicht beherrschten, dem ernsten Lernen nicht gewidmeten Stunden. Eine spezifisch-jüdische Jugendlektüre steht auch nicht in Widerspruch mit der nichtjüdischen Literaturkritik, die selbst hervorhebt, daß die Jugendlektüre lebensnahe, das heißt, dem Milieu und den physischen und psychischen Lebensbedingungen des Jugendlichen Rechnung tragen solle. Nun verlangen wir selbstverständlich nicht, daß unsere Jugend nun das ganze Leben und die ganze Welt, das Tun und Treiben der Menschen und Tiere unter der Brille einer jüdischen Lektüre anschaue, das wird wieder eine Einseitigkeit. Aber wir schränken selbst diese Konzession ein und schließen aus der Jugendkktüre nur aus, was unseren Anschauungen entgegengesetzt ist und verlangen als Ergänzung dazu: das Buch, in welchem jüdische Vergangenheit und Gegenwart, jüdische Pflichten und Gemeinschaftsleben, Freud und Leid, Kampf und Sieg in einer den verschiedensten Alternsstufen faßbaren Form gestaltet wird.

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