Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293072-2293073--10869-2304168- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
32 Was geben wir der Jugend zu lesen usw. Bücher, zum Schaden unserer Schule und zum Schaden der Schüler. Zum Schaden der Schule: Denn sie läßt damit verfallen, was im Unterricht aufgebaut wird, läßt sich einen wertvollen Kitt entgehen, der ihre Schüler mit ihren Erziehungsidealen der Schule dauernd verbindet und verliert ein wertvolles Mittel zur Verlebendigung des Unterrichts und zur Herstellung von Lesebüchern. Aber ebenso auch zum Schaden der Schüler: Denn wie seine Eltern, stellt das jüdische Kind das größte Kontingent der Bücherleser. Weit mehr wie das nichtjüdische ist es in seinem Denken, Wollen und Lernen vom Buch zu beeinflussen, nach der positiven, wie nach der negativen Seite. Vom Buch her bildet sich seine Persönlichkeit, sein Ideal und sein Irrtum. Hunderte von Beispielen aus den verschiedensten Selbst- Zeugnissen wurden dafür schon angeführt, aber deutlicher können sie nicht reden, als unsere eigenen Kindheitserinnerungen, wenn wir daran denken, wie oft ganze Einschnitte unserer Charakterbildung, Vorsätze und Wandlungen, von Büchern bestimmt werden. Wieviel Freude sie uns gemacht, indem sie die Vergangenheit vor uns erstehen ließen und die Welt in ihrer Weite und Fülle, der wir in unserer Abgeschlossenheit und Kindlichkeit so fremd gegenüber standen, mit Hilfe der Phantasie vor uns ausbreiteten, wie sie unseren Verstand beeindruckten, unseren Geist tagelang beschäftigten und unserem ganzen Wesen, unserem Gesichtsausdruck und unserer Sprache einen eigenen, unseren Eltern und Lehrern unerklärlichen Stempel aufdrückten. In nichtjüdischen Kreisen ist der gefährliche Charakter der schlechten Jugendlektüre längst erkannt. In Abhandlungen ist nachgewiesen, wie die Wirkung der Jugendlektüre auf etwa schlummernde verbrecherische Anlagen des Jugendlichen zum Verbrechen geführt hat. Solche Anlagen können von vornherein nicht festgestellt werden. Oft entwickeln sie sich geradezu als Ansporn zum Genie, zum Segen ihrer Gemeinschaft, aber wir alle kennen doch das Wort der Thora; das ״Gebilde des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf“