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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 29 (sequence 31)
Language
German
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Die Ausgrabungen von Ur 29 Polytheismus jener Zeit schon nicht mehr nur die aus Furcht und Kleinheitsgefühl geborene Anbetung der Naturkräfte, sondern eine nur noch im Vorstellbaren nach der herkömmlichen Weise konkretisierende, jedoch im metaphysischen Drang bereits geistig fortschreitende Natureroberung.) Wenn wir demgegenüber die Gestaltungsformen der sumerischen Bildwerke (noch um 2500) ins Äuge fassen, so treffen wir neben höheren Kompositionen noch immer primitive Tendenzen, vom Kunstschaffen des Kindes9 und der Bildnerei des Geisteskranken10 her geläufig: die gleichmäßige Flächenaufteilung, den Rhythmus gleichförmiger Objekt-Wiederholung, die pointelose Abfolge von Einzelmotiven ohne Einordnung in die Gesamtwirkung. Was bedeutet diese Spannung? Das Ende eines Uebergangs- Zeitalters, ein inhaltlich schon gereiftes, aber im Formalen noch nicht ganz entwickeltes Äusdrucksbedürfnis, ein Sich- Äuswirken einer übergeordneten Idee! Einen solchen geistigen Fortschritt des Vordringens zur höheren Idee glauben wir in der Musik der Sumerer am deutlichsten wiederzufinden. Es ist bekannt (Stumpf), daß die Instrumentalmusik des Primitiven hinsichtlieh der Tonbildung zwei Stadien hat: das erste der Werkzeuge für Einzeltöne, die, sich zur Melodie zusammensetzend, nacheinander ertönen (Pfeife, Trommel) — und das zweite der harmonischen Musik mit mehrstimmigen Instrumenten (Harfe, Panpfeife, Xylophon). Dieses zweite Stadium setzt einen Sinn für Akkord und Harmonie voraus, für eine höhere musikalische Form. Den alten Griechen war diese noch ganz unbekannt, — nun aber hat man schon aus der Zeit um 3500 eine Harfe mit elf verschieden langen Saiten und einem Resonanzboden — ein Harmonieinstrument! — in einem altsumerischen Königsgrab aufgefunden. Damit wird die scheinbar unwichtige Ueberlieferung des Pentateuch (4,21), die uns den Kainiden Juvol als ,,den Vater des Harfen- und Flötenspiels“ vorstellt, erst 9 Giese in: dass. I, 3. 10 Prinzhorn, Bildnerei der Geisteskranken, Berlin 1923.

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