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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 28 (sequence 30)
Language
German
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28 Die Ausgrabungen von Ur beigegebenen Kunsttafeln läßt sich der zeitlich frühe Hochstand des Kunsthandwerks (Arbeiten in Ton, Silber, Holz, Elfenbein, Gravierung von Muschelplättchen) in technischer und künstlerischer Beziehung ablesen; er hebt sich von der damaligen Primitivität und Unproportioniertheit der flächenhaften Menschendarstellung auf Stelen usw. auffallend ab.7 Ueberraschend vornehm in ihrem künstlerischen Geschmack, sogar dem einfach-zweckmäßigen Stil der heutigen Zeit entsprechend sind die übersichtlich gegliederten Vasen und Schalen aus den Königsgrabern von Ur. Dies hat sicher nicht nur am Material gelegen. In der vergleichenden Betrachtungsweise erscheint uns der psychologische Kunstcharakter der Stelen, Reliefs usw. mit ihren Kampf- und Siegesmotiven, ihren Götteranbetungen nach zweierlei Richtung hin aufschlußreich: hinsichtlich der Richtung des Äusdrucksbedürfnisses und ferner der Gestaltungsform. Zum ersteren: Die Realistik der Äusdrucksweise in den Kunstdarstellungen, das Zurücktreten der ins Groteske und Phantastische drängenden Gestaltungsqualitäten, wie sie noch auf den ältesten Denkmälern [so etwa 3500) geläufig sind, sowie der magisch-zauberischen Symbolik der Bilder — wie sie uns noch heute aus der Kunst des Primitiven vertraut sinds — zeigen, daß die Epoche der primitiven Kunst, also auch des prälogischen Weltbildes schon Jahrhunderte vor Äbrahams Zeit überholt ist. Denn wie wenig besagen doch die späteren Darstellungen von Phantasiewesen (Menschen mit Tierköpfen u. ä.), denkt man daran, daß auch im Wissenschaftlich-kirchlichen Weltbild des frühen Mittelalters die phantastische Äusdrucksrichtung religiöser Inhalte, so der Heiligen- Versuchungen durch Hieronymus Bosch, durch Lucas Cranach u. a. gepflegt wurde. (Von hier aus gesehen, wäre also der 7 Die piastische Darstellung lebender Wesen, so Tierköpfe und Statuenteile sind naturgetreuer, stammen aber erst aus den letzten Jahrhunderten vor 2000 v. s Thurnwald in Kafka, Handbuch der vergleichenden Psychologie. I. 2.

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