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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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10 Die religionsphilosophische Stellung ist nicht ein Gegebenes, sondern ein Aufgegebenes, das letzte Endziel, ihre Erreichung, der letzte Glockenschlag der Weltgeschichte. Das ist das Jüdische dieser Philosophie, die ihr Schöpfer eine messianische Erkenntnis-Theorie genannt hat, alles unter dem Gesichtspunkt messianischer Ewigkeit und Verewigung zu erfassen, d. h. im Lichte des Gedankens, daß alles Teil werden muß des kommenden Reiches Gottes. Das, was ist, was ewig gesetzmäßig dem Logos unterwarfen ist, das kann durch reine Vernunft erkannt werden. Das, was se i n s o 11, was werden wird, was aus dem ewigen Urquell alles Seins immer neu entspringt, das Ideal, das kann nur durch Offenbarung dem Menschen zuteil werden und führt in jedem Augenblick über alles nur Gegebene, gesetzmäßig Deutbare hinaus zur freien Liebestat, zum Reiche der Erlösung. Der gewaltigste Gedanke aber in dieser messianischea Erkenntnistheorie ist der: Nicht Philosophie und Offenbarung stehen sich als zwei voneinander getrennte, einander fremde und feindliche A^ächte gegenüber, sondern alle echte Philosophie ist selbst Offenbarung, ist Erweckung und Erleuchtung des verschlossenen Menschen durch Gott zur Erfassung seiner Aufgabe, die Erlösung herbeizuführen. Selbst wo diese Philosophie in ihren Ergebnissen in die Irre geht, wo dem Weg des Gottesreiches zunächst ein Hindernis gebaut wird, wird sie indirekt durch die Fürsorge Gottes Beitrag zur Erweckung der Seele, ebenso wie der sündige Mensch, der noch festgehalten wird von dem Urbösen seiner unerschlossenen Natur, unbewußt letztlich mitdienen muß an den Zielen des Weltganzen. Denn Gott ist, wie er Gott der Offenbarung ist, auch der Gott der Erlösung, der über alle Verirrung und Torheit und Hartnäckigkeit des Menschen hinweg Sein Reich herbeiführt. In Rosenzweigs Werk kommt das Wort Religion nicht vor. Philosophie wollte er geben, keine Religionsphilosophie, aber die Philosophie eines Juden, eines Kindes aus dem Volke der Offenbarung. Aus dieser Tatsächlichkeit des göttlichen Wir-

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