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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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8 Die religiionsphilosophische Stellung Wicklung der Menschen in der Vorsehung Gottes, in dem immer wieder erneuerten heiligen Geist der Versöhnung und der Reinigung ihre Sinngebung und ihren beglückenden Wert erhielten. Än diesem Punkte konnte Rosenzweig einsetzen. Er nahm zunächst den Gedankenfaden vom Verhältnis Gottes und des Menschen auf. Gott und Mensch müssen sich als zwei Elemente des Alls gegenüberstehen, zunächst einander unzugänglich, einander ,,transzendent“, um mit der Sprache der Wissenschaft zu reden. Aber Gott kann nicht transzendent bleiben, sondern muß sich dem Menschen erschließen, um ihn zu seiner ethischen Bestimmung zu erwecken. Der Mensch kann nicht in sein Selbst verschlossen bleiben, er muß seinerseits sich erschließen, um die ihm aus Liebe gegebene sittliche Bestimmung entgegenzunehmen und zur Verwirklichung zu bringen. Aber woran vollbringt der Mensch seine sittliche Bestimmung? An der Welt, deren er selbst mit seinem Leibe als ein Teil eignet. Also muß auch die Welt nicht als ein Abgeschlossenes, Fertiges sich darbieten. Zum Verhältnisse Gottes zum Menschen muß das Verhältnis Gottes zur Welt und der Welt zum Menschen treten, und wollen wir alles Geschehen im Innersten begreifen, so haben wir also als die drei Elemente Gott, Welt und Menschund ihr gegenseitiges Verhältnis zugrunde zu legen. Dieses gegenseitige Verhältnis ist aber nichts anderes als erstens: die Schöpfung und Erhaltung der Welt durch Gott, seine allgemeine auf das Weltganze gerichtete Vorsehung; zweitens: die Offenbarung, d. h. die Erweckung des Menschen zu seiner sittlichen und religiösen Aufgabe, als Gottes liebende Fürsorge und väterliche Leitung des Menschen; und drittens: als die Arbeit des Menschen an der Welt, der tränenerfüllten, der an sich sinnlosen, zu ihrer Emporführung zu immer höheren Gestaltungen, zur Beseelung alles Dinglichen, zur Durchgeistigung und Sinnerfüllung alles ewig Gleichmäßigen, zur Bruderliebe und Menschheitsbeglückung. Diese Arbeit, das Verhältnis des Menschen zur Welt, ist die Erlösung.

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