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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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Die religionsphilosophische Stellung 7 sehen außen, wie jeder Bürge nur an der Peripherie der sich vollziehenden Rechtshandlung steht. Der Religion der Vernunit liegt ein anderer Begriff zugrunde. Es ist nicht mehr die Lehre vom Menschen allein. Hatte Cohen früher den Unterschied von Monotheismus und Heidentum darin gesucht, daß dieses nur von den Göttern redet, während der Monotheismus vom Menschen spricht, so mußte er jetzt für die Religion einen anderen Grundbegriff aufstellen, den vom Verhältnis Gottes zum Menschen — Cohen nennt ihn die Korrelation Gott-Mensch — und Monotheismus ist die Lehre vom Verhältnis Gottes zum Menschen und des Menschen zu Gott. Erst unter diesem neuen Aspekt enthüllt sich das Wesen echter Religion. Erst hier tritt jeder Mensch in all seiner Not der Seele wie des Leibes seinem Gotte gegenüber, und Gott erbarmt sich seiner in Liebe und Gnade. So ist plötzlich Raum geschaffen für alle die unsäglich zarten und feinen Gefühle und Empfindungen der Religion, für alle Innigkeit und Weichheit des frommen, zu Gott in Sehnsucht auf blickenden, betenden Menschen. Gott ist nicht nur der Garant der letzten Zukunft der Menschheit, der sittlichen Verwirklichung der Endzeit, nein, in alle Gegenwart tritt er fürsorgend, erziehend, verzeihend dem Menschen näher. Das war der Schlußstein im Gedankengebäude Cohens, seine Rückkehr zum Judentum und zur Religion. Will man diesen Entwicklungsgang in wenigen Worten zusammenfassen, so kann man sagen: Ist der Mensch das zentrale Problem alles Denkens, dann ist die Ethik als die Lehre von der sittlichen Bestimmung des Menschen das wesentlichste Gebiet alles Philosophierens, dann gibt es ohne Gott keine Gewißheit und keine Zukunft der sittlichen Menschheitsentwicklung, dann ist ohne Gott Menschsein ein Unding. Unser Dasein und alle Kultur hätten ihren Sinn verloren. Aber wir müßten an uns selbst irre werden, alle Gegenwart des Menschen, wie er nun einmal ist, müßte zur Verzweiflung führen, wenn nicht die Religion das Verhältnis Gottes zum Menschen zur Entdeckung bringen׳ würde und damit die ganze religiöse und geschichtliche Ent-

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