Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 594 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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594 Ein Führer — groß und einsam am eigenen Selbst noch möglich, wenn man nach außen gerichtet ist. Groß und einsam! Nach innen und nach außen! Groß an Thora und groß (weit und tief) in der Thora-Wirkung. Einsam, auf sich allein gestellt, stets um die eigene, jüdische Seelen-Forderung ringend — und einsam, trotzig, alle Widerstände der Welt mißachtend auf dem Wege draußen. Das sind Gegensatzpaare, die in der Einheit der Seele zusammenzuhalten Tragik ist. Und doch Wurzel der Leistungen einer Persönlichkeit. Es ist nötig, sich hieran zu erinnern, um so manche Erscheinung innerhalb der zeitgenössischen Judenheit zu begreifen. Fürsten der Thora sind stets Lehrer und Vorbilder — einerlei, welche seelische Haltung sie haben, welcher jüdischen Gemeinschaft sie entstammen. Wer guten Willens ist, lernt von ihnen. Haben sie auch Führerqualitäten, so schaffen sie einen guten Willen. Aber wie vieles geht in die Brüche, wenn die Problematik des Führers weder von diesem selbst noch von seiner Gefolgschaft richtig erfaßt wird! Wenn die Selbstbetrachtung fehlt, die jede Handlung einem Richterspruch unterwirft, ob sie dem göttlichen Gebote wirklich gemäß ist, ob sie sich in die Grenzen einordnen läßt, die die Grundhaltung des Charakters einerseits und das thoramäßig erfaßte Gebot der Stunde andererseits dem jüdischen Führer ziehen. Und der Fehler — das möge man doch nicht verkennen — liegt niemals nur auf einer Seite. Es gibt mangelndes Verstehen des Führers — als subjektiver und objektiver Genitiv . . Doch still davon! Es ist die Rede hier von ,,groß“ und ״einsam“, wie dies sich in einem Leben offenbarte, das vor kurzem im fernen Litauen zu Ende ging. Nicht viele in Deutschland werden den Namen des Telscher Raw ז״ל kennen, obwohl schon eine stattliche Anzahl junger deutscher Juden aus seiner Jeschiwah (wo neben ihm eine Korgphäe wie R. Chaim Rabinowitz להבח״ל wirkt) sich Belehrung und seelische Kräftigung holten. Nicht darauf kommt es hier an, auch nicht darauf, daß er zu den Größten der Thora unserer Zeit gehörte,