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Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 595

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 595 (sequence 85)
Language
German
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Ein Führer — groß und einsam 595 auch nicht auf seine eminenten Leistungen für das litauische Judentum, sondern auf den Menschen, der dahinter stand. Dies ist es, was uns das Meiste zu sagen hat. Anlagen und Erziehung machen den Menschen — wie Gott es will. Um die Anlagen dieses Mannes ganz zu würdigen, fehlt es mir an ausreichenden Kenntnissen über seine Jugend. Aber eins ist klar: ein Grundzug seines Wesens war die Eigenwilligkeit. Sie wird gar oft mißdeutet als Selbstbewußt-׳ sein, Stolz . . Hier liegt schon eine Hauptwurzel zutage, die die Einsamkeit nährt. Weil ein so gearteter Mensch alles vom Eigenen her sieht, es aufnimmt und eigenwillig verar-׳ beitet, darum macht er sich einsam und wird auch als ein Mensch für sich, als ein יוצא מן הכלל betrachtet. Und das liebt oft der כלל nicht. Daß R. Joseph L. Bloch ז״ל ein Großer werden konnte, dafür gab nicht nur seine Herkunft (das Wichtige hierbei ist nicht, wie man oft mißversteht, das Verehrungswürdige, sondern die seelischen Anlagen, die von großen Menschen früherer Generationen den Nachfahren in die Wiege gelegt werden) den Ausschlag, sein Fleiß, sein eiserner Wille und sein klarer Geist, sondern auch der Umstand, daß er Lehrer fand. In jungen Jahren hat in ihn sein Onkel1) — ob seines Scharfsinnes ר׳ משה חריף genannt — die Liebe zum begrifflichen Erfassen (הגיון) des Talmuds gesenkt, der er auch später an der Seite seines großen Lehrers, seines Schwiegervaters, R. Elieser Gordon ז״ל des Gründers der Telscher Jeschiwah, und weiterhin Zeit seines Lebens treu blieb. In seinen Lehrvorträgen nahm er stets von einer Talmudstelle den Ausgang und begab sich nur selten auf die Wege des Pilpul. Auch die großen Erklärer (mit Ausnahme von רש״י und תוספות) wurden nur selten herangezogen. Es drehte sich fast immer um das tiefere Verstehen einer Talmudstelle, oft eines allgemeinen talmudischen Problems, und meist wurden die Schwierigkeiten allein durch eine begriffliche Klärung behoben, durch eine logische Schöpx) Vgl. hierzu תר״ץ׳ חוברת חשוף "הבאמך s. 3.

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