Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 590 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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590 Bemerkungen zu einem Äufsatz Dr. Wohlgemuths Im Zusammenhänge mit den eben geäußerten Gedanken wollen wir auch noch folgendes erwähnen. Wohlgemuth verübelt es Hirsch,1) daß letzterer das Wort יפת im Segen Noas nicht wie üblich nach Onkelos mit ,,ausbreiten“ übersetzt, sondern ,,Gemüter öffnen“, Wir wollen nun nicht die Frage wagen, ob denn diese Ableitung des Wortes יפת von der Radix פתה tatsächlich so absurd ist, da doch in der Radix פתה die verschiedenen Bedeutungen ,,verführen“ und ״ausbreiten“ faktisch ineinanderfließen. Man sehe doch einmal Ozar Hascheroschim von Ben-Sebh, s. v. פתה Aber d i e Frage wollen wir wagen: Und wenn es auch so wäre, daß יפת nicht ,,Gemüter öffnen“, sondern ,,ausbreiten“ bedeutete, fiele dann deswegen die ganze, auf unbestreitbaren richtigen Ideen beruhende geschichtsphilosophische Exegese Hirschs zum Segen Noas fort? Gibt es denn kein ,,ausbreiten“ auch im geistigen Sinne? Die ,,Ausbreitung“ der japhetischen Kultur über weiteste Länder gebiete! Zugleich gestatten wir uns auch bescheiden die Meinung Wohlgemuths, wonach Hirsch durchaus subjektiv sein Bildungsprinzip 3תורהעםד״א^ seine Exegese des Segens Noas gründete, dahin zu berichtigen, daß für H. dieses Prinzip schon von anderer Seite her feststehen mußte, um den Segen Noas in diesem Sinne auszulegen. Man braucht nur einen Blick in Hirschs Unterrichtsprogramm in seinen Chaurew (§ 551 u. ff.) oder in seine späteren, den Jugendunterricht betr. Aufsätze, z. B. in sein Schulprogramm v. J. 1867: ״Von den Beziehungen der allgemeinen Bildungselemente zu der speziell jüdischen Bildung“ (Ges. Schriften II, S. 449 u. ff.) zu werfen, um zu wissen, daß H. das Bildungsprinzip תורהעסד״א nicht zufolge einer etwaigen exegetischen Erklärung akzeptierte, sondern aus demselben Motive wie z. B. Maimonides, für den das Erlernen profaner Wissenschaften (wie die ancilla theologiae der Scholastiker) Hilfswissenschaften für תוה״ק nötig war, oder der Wilnaer Gaon; von dem der wohlbeglaubigte Ausspruch herrührt :ני כפי שיחסר לאדם ידיעות שארי החכמות לעומת זה יחסר לו מאה ידות בחכמת התורה הקדושה" (S. 45, עליות אליהו). Noch bedeutend entschiedener aber verlangt jene Behauptung eine Berichtigung, wonach ״für H. erstes und letztes seines ganzen Systems ist, aus der Symbolik der Mizwoth erst das Judentum zu erfassen und auf eine neue Grundlage zu stellen“. Hier fragen wir wohl in aller Bescheidenheit, aber doch mit aller Entschiedenheit: Wo in aller Welt will H. solches tun?! In z w ö 1 f Briefen sucht er die Bestimmung des Menschen und das נ) Jeschurun, 1927, S. 10.