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Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 589

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 589 (sequence 79)
Language
German
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Bemerkungen zu einem Hufsatz Dr. Wohlgemuths 589 und schon im Jeschurun 1927, S. 10) die Auslegung Hirschs zu dem Segen Noas in I B. M. 9, 26 u. ff. als klassisches Zeugnis für die Subjektivität seiner Exegese zitiert. Und doch muß sich jeder aufmerksame Bibelforscher sagen, daß in den dunklen Worten: ברוך ה׳ אלקי שם ויהי כנען עבד למו• יפת אלקים ליפת וישכון באהלי שם etwas ruhen muß, so dieselben sinnvoll sein sollen . Und tatsächlich finden wir, daß auch Exegeten vor und neben Hirsch, den Sinn dieser Worte viel tiefer und weiter fassen, als solches auf Grund eines ״genügenden philologischen Pschat“ gestattet wäre. Wir verweisen auf Biur z. St. Noch mehr aber auf Philippsohns Bibelwerk z. St., wo Gedanken geäußert werden, die große Heimlichkeit mit dem von Hirsch aufgestellten Schema haben. Von nichtjüdischen Kommentaren besitze ich blos das Schuster7 und Holzhauer’sche Handbuch zur biblischen Geschichte (Freiburg i. B., 1906), auch darin befindet sich eine der Philippsohn ,sehen ähnliche Exegese, wenn auch in starker christologischer Einstellung. Huch erinnere ich mich in Delitzsch’ Kom. zu Genesis vor Jahrzehnten eine ähnliche Exegese gesehen zu haben. Und nun sollte es eben nur Hirsch verwehrt sein, diese ״prophetisch-poetisch-historische Andeutung“, wie sich schon Philippsohn z. St. ausdrückt, tiefer zu fassen? Ja, mit bewundernswürdiger Divination in diesen dunklen Worten den Rahmen für den Ablauf des weltgeschichtlichen Entwicklungsprozesses der Menschheit zu erblicken? Wir wollen ganz aufrichtig sein und bekennen: auch wir wissen es, daß die großzügige Exegese Hirschs zu dem Segen Noahs ״nicht genügend philologisch, d. h. auf dem Pschat gegründet ist“. Doch scheint uns aber, daß das mystische Halbdunkel dieser rätselhaften Worte auf einen Sinn hinweist, der eben über den philologisch irockenen Pschat hinausgeht. Und da ist uns nun die Hauptfrage, ob die von H. in seiner Exegese zu dem Segen Noahs entwickelten Ideen an und für sich richtig sind. Ist namentlich seine hierselbst entwickelte geschichts-philosophische Anschauung richtig oder nicht? Wenn ja — und für die Richtigkeit bürgt Dr. Wohlgemuth selber, der eben diese geschichtsphilosophische Auffassung Hirschs, die hier beim Segen Noahs nur in großen Zügen angedeutet, aber ausführlich in dem Aufsatz ״Der Hellenismus und das Judentum“ entwickelt wird, nicht genug zu verherrlichen weiß (s. Jubil.-Heft des Israelit, S. 42). Also wenn diese geschichtsphilosophische Betrachtungsweise Hirschs richtig ist, dann scheint es für uns nicht so gewagt zu sein, wenn man diese an und für sich richtigen, von den historischen Tatsachen gestützten jdeen auch aus den prophetisch gehobenen Worten des neuen Stammvaters der Menschheit herausliest.

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