Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 587 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Voll- und Halbjudentum im heutigen Frankreich 587 Es liegt nahe, die vorliegende Romanfolge an einem anderen, in stofflicher Beziehung ähnlichen Romanwerk zu messen, an Jean Richard Blochs ״Simler & Co.“ Auch dort der Konflikt zweier Welten und Kasten, Loslösung und Verkettung von Familiengebundenheiten, Sippengefühl contra Weltkultur und freies Menschentum. Jedoch der Vergleich fällt sehr zu Ungunsten unseres Autors aus. Ein Zwerg neben einem Zyklopen. Jakob Levg erreicht in keiner Weise die großartige Tragik und Poesie der Familiengeschichte derSimler, deren hohen Gedankenflug und Größe des Stils. Was Jacob Levg schreibt, ist bestenfalls ein literarisches Festhalten interessanter Oberflächeneindrücke, doch kaum gelingt es ihm, die Tragödie einer Familie oder gar eines Volkes mit dem Griffel des Dichtergenius zu zeichnen. Immerhin bedeuten die Romane J. Levys stofflich und sprachlich ein Kulturdokument, das zur spärlichen Kenntnis des französischen Judentums wertvolle Bausteine liefert für die Leser, die das gebotene Material kritisch zu sichten verstehen. Nachsatz: Herr Redakteur J. Bielinsky in Paris, den ich um seine Meinungsäußerung über den Roman ״Les Pollaks“ gebeten habe, macht mir die überraschende Mitteilung, daß Jacob Levg ein Pseudonym für eine schreibende Dame aus dem Elsaß sei. Er bestätigt mir in liebenswürdiger Weise, daß tatsächlich bei einem großen Teil der Pariser eingesessenen Juden eine starke Abneigung gegen die zugewanderten ״Pollaks“ bestehe. Er schreibt dazu: ״II g a au fond de cette animosite une crainte mal dissimulee de se voir un jour deborde par ces ״Pollaks“, actifs, intelligents qui commencent ä prendre une place importante dans la presse, les Arts, les Sciences, professions liberales, sans parier de commerce et d’industrie.“ Sollte sich wirklich hinter dieser Abneigung nur eine Art Futterneid und Verärgerung verbergen, so darf man wohl hoffen, daß es eine bald vorübergehende Zeiterscheinung sein wird.