Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 585 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Voll- und Halbjudentum im heutigen Frankreich 585 ce n’est pas juste, Avroum!“ ruft ihm sein bester Freund Springer am Schluß des Buches angesichts des Todes seiner Schwiegertochter zu, und das ist auch der Grundakkord, auf den das Buch abgestimmt ist und der die Anklage des Verfassers gegen solchen Glaubensformalismus enthält. Man sucht nach einer psychologischen Begründung zunächst für die Anprangerung des Ostjudentums. Man möchte gern glauben, der Schriftsteller selbst halte diesen Haßinstinkt des Eisassjuden in Paris für unbegründet, mindestens für übertrieben, und in diesem Sinne verteidigt sich auch der Verfasser Jacob Levy in seinem Vorwort zum dritten Bande gegen die Vorwürfe des jüdischen ״Rischus“, der ihm von jüdischer Seite gemacht wurde: Man sagt, er habe seinen Blutsbrüdern einen Makel angehängt, er habe die gegen die ostjüdischen Zuwanderer herrschende Mißstimmung mindestens stark übertrieben. Sie seinen gar kein so unwillkommenes volkswirtschaftliches Element, ihr Fleiß und ihre Arbeitsamkeit seien anerkannt. Beispielsweise sind die jüdischen Kürschner in der Pelzbranche anerkannte Meister ihres Gewerbes, und ihnen verdankt dieser Industriezweig in Paris einen neuen Aufstieg. Es ist kaum anzunehmen, daß sie da als Lohndrücker sonderlich unbeliebt sind. Auch sonst ist der jüdisch-polnische Arbeiter wegen seiner Ausdauer geschätzt. Daß er als skrupelloser Unternehmer (besonders im Altwaren- und Möbelhandel und in Abzahlungsgeschäften) nicht sehr beliebt ist, läßt sich denken. Jedoch wird seine Anpassung und Eingewöhnung von den Einsässigen gefordert und gefördert. (Großzügige Hilfe leistet hierbei das ,,Comite Central d’Assistänce aux Emigrants Juifs“, vgl. den Artikel von Dr. J. Adler im Isr. Familienblatt vom 30. 8. 29.) Leider vollzieht sich ihre schnelle Assimilation meist unter Preisgabe der Väterreligion, zumal da die Pariser Umwelt für religiöse Werte eine wenig günstige Resonanz bietet. Der Verfasser J. Levy verteidigt sich in seiner Vorrede, er habe nichts übertrieben, er habe nur Wirklichkeiten konstatiert; alle diese Typen von Ostjuden, Halb- und Ueberjuden