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Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 584

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 584 (sequence 74)
Language
German
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584 Voll- und Halbjudentum im heutigen Frankreich vorhanden ist (vergl. Sch.-Ar. Ewen Haezer § 165), sondern nur der Zwang zur C h a 1 i z a . Also ist der elsässische Jude nur ein halbwissender Fanatiker, ein Tefillolamdon, der selbstherrlich Dinim entscheidet! Oder ist diese elementare Unwissenheit auf Konto des Dichters zu schreiben? Man weiß es nicht. Ein Weiteres: David, der zärtliche Sohn, fügt sich dem Willen des Vaters, er will die Schwägerin heiraten, die Herzen der Schwägerin-Witwe und des jungen Schwagers finden sich zu inniger Liebe — aber wieder tritt der starrfordernde Vater dazwischen: Die Mutter hat beobachtet, daß bei ihrer jungen Schwiegertochter seit vier Wochen, seit dem Tode ihres Gatten, sich Anzeichen vom Herannahen gesegneter Umstände bemerkbar machen, somit darf die Witwe ihren Schwager wieder nicht heiraten! Eine verzwickte Verkettung der ,,Umstände“! Die junge Frau ist über die Eröffnung der Unmöglichkeit der Heirat todunglücklich; sie bekommt einen Blutstürz, an dessen Folgen sie stirbt. Der Leser fragt sich: warum wartet der peinlich gesetzeskundige Schwiegervater nicht nach jüdischer Vorschrift drei Monate ab, ehe er entscheidet, ob es zu Chaliza oder Jibbum kommen soll? (welch letzterer, freilich, wie erwähnt, heutzutage überhaupt nicht vollzogen wird). Der Verfasser scheint uns zuzurufen: ,,Seht diese unentwegten Glaubensfanatiker, ihr Zelotentum zerstört bedenklos Glück und Frieden ihrer Kinder, wenn nur der Forderung der Gesetzesformel Genüge geleistet wird!“ Offenbar liegt hier eine etwas verspätete Attacke in Romanform nach dem Geschmack der Haskaia-Epoche vor auf das versteinerte ,,Geseizesjudentum“. Ganz so finster und unerbittlich und unzeitgemäß wird der Charakter Abraham Steiners im ganzen Romane uns vorgezeichnet: Dumpf brütend wie ein Phantom der Vorzeit in die leichtumflossene Neuzeit der Glaubensverbrüderung hereinragend, ein düsterer Eiferer, der überall nur mit starrem Finger auf den Buchstaben des Gesetzes weist. Ein Ehrenmann ist er allerdings, stolz und unbestechlich, doch ein bedauernswerter Ideologe und Fanatiker des Gesetzes, dem er Kinder, Familienglück und seine besten Freunde opfert. ״Ah,

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