Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 583 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Voll- und Halbjudentum im heutigen Frankreich 583 in der Mehrzahl hervortreten!). Es geht nicht an, daß das französische Judentum sich in stolzer Isoliertheit und insel״ haftem Aesthetentum diesem Zustrom lebendigsprudelnder Kräfte verschließt. Und wenn des Verfassers Erfahrungen mit ostjüdischen Künstler- und Geschäftskreisen so pessimistische sind, so wird er keinesfalls die Tatsache leugnen können, daß die Kinder und Abkömmlinge eben dieser anrüchigen Ostjuden ihrer Erziehung, ihrem Auftreten und ihrem Charakter nach sich in keiner Weise von ihren Wirtsvölkern unterscheiden und einen hochwertigen Einschlag und Zuwachs der autochthonen Bevölkerung bilden. Doch wir könnten unsere soziologische Besprechung der vorliegenden Romanfolge (ihr literarischer Wert zählt nicht sehr hoch) hier abbrechen und könnten die Polemik gern unseren dialektisch geschickteren ostjüdischen Brüdern überlassen, wenn nicht gegen den 3. Band des Romanwerks: ,,Les Double Juifs“, die ״Ueberjuden“, allerhand vom religiösen Standpunkt einzuwenden wäre. In diesem 3. Bande werden die hundertkarätigen, die Ueberorthodoxen unter den Juden unter die Lupe genommen. Samuel Springer, der humane, assimilationstüchtige, toleranzfreudige Jude, hat ein Gegenbild in seinem Jugendfreunde Abraham Steiner, auch er elsässischen Ursprungs, doch streng traditionstreu, er und seine zwei Söhne. Der ältere der zwei Söhne stirbt an einer Lungenkranikheit, die er sich im Weltkriege zugezogen hat und hinterläßt eine kinderlose Witwe, eine junge blühende Frau. David, der Jüngere der Söhne, der bereits mit einem jungen Mädchen aus seinem Geschäfte versprochen ist, muß plötzlich auf Geheiß des glaubensstarren Vaters die Verlobung mit dem geliebten Mädchen aufgeben, da er angeblich dem jüdischen Thoragesetz gemäß die Leviratsehe an seiner Schwägerin vollziehen soll. Das fordert der thorakundige Vater unerbittlich von seinem Sohne, er, der hätte wissen müssen, oder sich von einem gesetzeskundigen Pariser Rabbiner hätte beraten lassen müssen, daß heutzutage und auch früher diese Notwendigkeit zur Heirat der Schwägerin bei dem orthodoxen Juden nicht