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Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 581

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 581 (sequence 71)
Language
German
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Voll- und Halbjudentum im heutigen Frankreich 581 dieser einen Klasse, besser Kaste, von elsässischen Juden abfinden, die, stolz und breitspurig auf ihre hundertvierzig Jahre alte Gleichberechtigung von Napoleons Gnaden pochend, eigensinnig zu ihrem Franzosentum sich bekennend, auf ihre östlichen Blutsbrüder als Fremdlinge herabsehen. Es wäre denkbar, daß ein französischer Jude einer Verbindung seiner Tochter mit einem deutschen Juden ebenso starken Wider״ stand entgegensetzen würde (so etwas läßt der Verfasser auch an einer Stelle seines Romans durchblicken). Es ist ein sehr ullenhafter Adelsstolz, ein Kastengeist, ein Sippengefühl, das wir verstehen, wenn auch nicht billigen können. Unbegreiflieh für uns wird erst diese methodische Verbohrtheit, wenn wir durch die Handlung im Romane zu dem Glauben belehrt werden sollen, daß alle Ostjuden irgendwie etwas Versteckt-Betrügerisches und Fälschermäßiges an sich haben. Betrachten wir die zweite Hauptperson des Romans, Dusseign e u r, angeblich Christ und Vollblutfranzose, ein Maler von höchsten und anerkannten Qualitäten, auf dessen Gemälde der Kunsthändler Springer sich das Monopol gesichert hat (er hat ihn von kleinsten Anfängen zur Berühmtheit gebracht). Dieser Held Dusseigneur stellt sich als ganz gemeiner Betrüger und undankbarer Ostjude heraus, der hinter Springers Rücken, trotz dessen Monopol, den größten Teil seiner Gemälde nach Wien und anderen Großstädten verkauft, um seine Einnahmen zu vermehren, und er erweist sich als ehrloser Glaubensleugner und Betrüger, der seinen jüdischen Ursprung (er ist in Wirklichkeit rumänischer Jude) verleugnet hat, um besser Karriere zu machen. Als Freund ist er treulos genug, dem jugendlichen Pierre Springer die Braut, die dieser unter seinem Schutze zurückgelassen hat, abspenstig zu machen. Dieser Fall wird vom Verfasser als t g p i s c h , nicht als Äusnahmefall bezeichnet; denn außer dieser Zentralfigur tritt kein Ostjude als Gegenspieler im Romane auf (außer dem einen ostjüdisehen Mädchen und dw:an Vater, die nebenfigürlich sehr wenig einnehmend gezeichnet werden). Diese Einseitigkeit und Verallgemeinerung eines französisch-jüdischen Schrift-

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