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Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 580

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 580 (sequence 70)
Language
German
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580 Voll- und Halbjudentum im heutigen Frankreich religiöser Jude, zärtlichster Familienvater, gönnt seinen Brüdern, den Pollaks, zwar alles Gute; doch als sein Sohn Pierre, der Rechtsanwalt, den sonderbaren Einfall hat, sich in ein ostjüdisches Mädchen, Rechtsanwältin und Studiengenossin von ihm, zu verlieben und sich mit ihr zu verheiraten, setzt der Vater seine ganze Autorität ein, um den Sohn von diesem ״Unglück“ zu bewahren. Für S. Springer ist schon der Gedanke, eine Ostjüdin als Schwiegertochter zu haben, eine Undenkbarkeit, eine Entehrung seines Namens, mindestens so absurd wie der Gedanke, eine ״Goje“ zu heiraten, und er setzt alles daran, um den Sohn zur Vernunft zu bringen. Jn einer langen Unterredung gewinnt er dem Sohn den Verzicht auf seine Liebe ab; in seiner beispiellosen Kindesliebe nimmt der Sohn Rücksicht auf seines Vaters Wunsch. Dem Vater ist es bitterer Ernst mit seiner Abneigung gegen die Pollaks, die sich zu einer Ueberzeugung verdichtet und die in den merkwürdigen Worten an seinen Sohn ihren Gipfel erreicht: ״Un Pollak, Pierre, n’est jamais honorable“ (S. 112). Diese Ueberzeugung steigert sich zur Beschwörungsformel, zu einem Todesvermächtnis in der Stunde, als der alte Springer von einem schweren Nervenfieber getroffen, in seiner vermeintlichen Sterbestunde (er erholt sich später), seiner Frau und seinen zwei Söhnen als Letztes zuruft: ״Mefiez-vous des Pollaks“ (2. Bd., S. 24). Hier wird die Abneigung schon zur Idiosynkrasie, zur fixen Idee, die auf uns peinlich-befremdlich, beinahe lächerlich wirkt. Später, nach seiner Genesung, betreibt derselbe S. Springer mit fieberhaftem Eifer die Verheiratung seiner liebsten Nichte mit dem jungen Arzt Dr. Blum (einem Demi-Juif, Held des 2. Romanbandes), einem Halbjuden, dessen Mutter Christin gewesen und der nur noch Namensjude ist, der nach schweren Seelenkämpfen zu seinem jüdischen Ursprung zurückfindet. Welcher Abgrund von Vorurteilen, von Nichtkennen und von Verbitterung spricht aus dem ganzen Verhalten dieses Juden Springer! Wie unerschütterbar fest muß die Scheidewand zwischen Ost und West in der Seele dieses Pariser Juden eingerammt sein! Aber man könnte sich mit dieser Anschauung

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