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Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 579

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 579 (sequence 69)
Language
German
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Voll- und Halbjudentum im heutigen Frankreich 579 Konkurrenzkampf mit den alteingesessenen Glaubensgenossen manch häßlicher Streit entsteht, daß Mißgunst, Geschäftsunterbietung, Kundenfang usw. eine bedenkliche Rolle spielt, und es manchmal hart auf hart geht. Auch in Deutschland wurden diese neuen Konkurrenten erst als Eindringlinge angesehen und nicht gerade freundlich aufgenommen; auch bei uns wurde manch einem von ihnen unlauteres Geschäftsgebahren und ausbeuterische Betriebsamkeit nachgesagt, Vorwürfe, die gegen jüdische Kaufleute in Deutschland vor dem Kriege in diesem Ausmaße niemals erhoben wurden. Sie waren nicht gern gesehen, diese neuen Gäste, sie waren in manchen Kreisen ״unerwünschte Ausländer“ auch für die Juden. — Doch es kam nirgends in Deutschland zum offenen Boykott, es traf sie nirgends ein moralischer oder gesellschaftlicher Bann, und die S o 1 i d a r i t ät mit ihnen ist bei uns nie in Frage gestellt worden. Aus Frankreich kommt ein Echo, das anders klingt. Hören wir einen Schriftsteller der jünsten Zeit: Jacob Lcvy, der in seinem Romanzyklus: ,,Juifs d’Äujourd’- hui“ (1. Bd. Les Pollaks, 2. Bd. Les Demi-Juifs, 3. Bd. Les Doubles-Juifs) die Psyche der modernen Juden in Frankreich darzustellen versucht. Uns interessiert hier zunächst die geistige Haltung des Verfassers. Der erste Teil führt den bezeichnenden Titel: ״Les Pollaks“. Was wir da an Seitsamkeiten über das Verhalten der französischen Juden zu ihren Gaubensbrüdern aus dem Osten zu hören bekommen, das überschreitet jedes Maß des bisher von und für Juden Gehörten oder Geschriebenen. Das Buch ist keine Anklage und kein Hetzprogramm gegen die neuen Eindringlinge, die Pollaks, der Verfasser will nur Tatsachen konstatieren; es ist aber ein einziges Gemälde der Erbitterung der in sich verbissenen Fremdheit des Pariser Juden gegen den Ostjuden, eine Kundgebung, die für uns deutsche Juden geradezu unfaßbar ist. Die Zentralfigur der ganzen Romanfolge, Samuel Springer, Jnhaber eines der ersten Kunstsalons von Paris, er selbst Eingewanderter aus dem Elsaß, doch glühender Patriot, gemäßigt-

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