Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 577 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ein rätselhaftes Dokument der italienischen usw. 577 Aber die Ausübung dieser bürgerlichen und politischen Rechte ist mit der strikten Befolgung und religiösen Erhaltung unserer Gesetze und zeremonialen Riten nicht vereinbar. Der Bürger, der zu bürgerlichen Diensten in den Aemtern berufen ist, muß auch am Sabbat und den anderen jüdischen Festen schreiben; ein Torwart muß auch an jenen Tagen lenken, und der politische Beamte, der seinem Vorgesetzten untergeben ist, darf ohne beleidigende Unbotmäßigkeit seine Tafel nicht verschmähen oder die ihm Vorgesetzten Speisen unberührt lassen; das Gleiche kann man von vielen anderen Aufträgen, Verrichtungen und Funktionen sagen, die mit der gewissenhaften Befolgung unserer religiösen Zeremonien nicht zu vereinen sind. An Euch, ihr Lehrer Israels, die Ihr in einer Sgnode versammelt seid, wenden wir uns, damit Ihr uns mit Euren wissenschaftlichen Entscheidungen den richtigen Weg für unser Verhalten zeiget und unser gottesfürchtiges Gewissen beruhiget. Daher geben wir Euch folgendes Problem zu lösen: Sollen wir das Anerbieten dieser edelmütigen Nation annehmen, oder sollen wir es ablehnen? Haben wir zu antworten, daß der zeremoniale Teil unserer Religion, der uns so heilig ist wie unsere Glaubenslehre, uns nicht erlaubt, den Auftrag einer gleichviel wie gearteten bürgerlichen Funktion oder Anstellung unbeschränkt und ohne Bedingung zu übernehmen? Oder aber haben wir zu antworten, daß die Religion des Herzens und des Geistes für alle Zeiten, Länder und Stände die gleiche ist; — und betreffs des zeremonialen Teils der Religion, daß dieser sich auf das Innere des Hauses, der Erziehungsschule, des Tempels und des Friedhofs zu beschränken hat, sobald man uns die freie Ausübung aller Rechte und Privilegien gewährt, die dem zukommen, der in einem freien Lande geboren ist? Wir erwarten eine entscheidende Auflösung dieses Problems zur Beruhigung unserer Gemüter und zur Richtschnur derjenigen von uns, die eben die Frömmster! und Religiosesten sind. Die gewissenhaften Israeliten des Reiches.