Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 575 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein rätselhaftes Dokument der italienischen usw. 575 Würde ,,2240“ nicht so deutlich geschrieben sein, — man möchte an die Leseweise 5570—1810 denken, also napoleonisehe Zeit. Doch tagte 1810 in Italien in keinem der Klein׳- Staaten eine Rabbiner-Synode, — wie mir von mehreren italienischen Geschichtskennern versichert wurde. Äuch 3240 (nach biblischer Zählung) zu lesen und das Ganze als eine Mystifikation zu betrachten, die sich als ein Dokument der Zeit des persischen Reichs gibt, erscheint doch zu gewagt. Will man schon zu solchen Hypothesen Zuflucht nehmen, so kann man das Ganze als ein ,,Zukunftsbild“ ansehen; danach hätte irgendein Zeitgenosse der Emanzipation eine Anfrage erfaßt, wie sie etwa 4—4V2 Jahrhunderte nach seinem Zeitalter an rabbinische Synoden ,,des Reiches Ungenannt“ ergehen werden. Er muß ja selber garnicht der Meinung sein, daß es richtig sei, ein solches Kulturkampf-Dilemma aufzustellen; ja, eher möchte man glauben, er habe mit seiner krassen Darstellung die Denkweise vieler emanzipaiionstrimkener Zeitgenossen geradezu persiflieren wollen. Wenn man bedenkt, daß in Italien noch bis in die neueste Zeit der Gedanke, durch Kultusreform und Gesetzeserleichterung die Emanzipation zu erhandeln, der im Norden allgemein war, unbekannt geblieben ist, so wird man zu dieser Vermutung gedrängt: Ein italienischer Jude konnte solchen Ideen nur spottend gegenüberstehen; das ,,Reich Ungenannt“ aber, dessen Judenheit er solche düstere Prognose stellt, liegt im Norden. Hat der Spötter Recht behalten? Wir haben zv/ar, wenn wir die Zeit um 1840 als Abfassungszeit dieses Dokuments betrachten dürfen, erst ein Viertel der Zeit hinter uns, in der dieser Abweg zu Ende gegangen sein sollte. In der öffeatliehen jüdischen Welt kann sich zwar seit Emporblühen der Orthodoxie und des Zionismus eine Denkweise nicht mehr breit machen, weiche das Judentum ,,zwischen Schule, Kirche und Friedhof“ sperren und das übrige Leben des Juden dem der Umgebung völlig angleichen möchte. In kleinen, leider nicht einflußlosen Kreisen aber hat sich diese Angleichungssucht nicht nur nicht überlebt, sondern will dem Judentum