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Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 572

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 572 (sequence 62)
Language
German
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572 Der gegenwärtige Kampf um die Wahrheit usw. Volkes mit derjenigen Israels von gleichem Niveau? Hat es bei den Hellenen vor allem einen solchen Begriff von Gott gegeben, wonach er das von der Weltentstehung unabhän״ gige, der ungeteilten Welt souverän gegenüberstehende, über geschlechtliche Differenzierung erhabene Geistwesen ist?7) Hat das griechische Volk ferner ein Bewußtsein von einem Plane der Gottheit zur Segnung und Erlösung des ganzen Menschengeschlechts besessen, wie es bei Israel schon in Gen. 12, 3 ausgeprägt ist? Hat die Kulturgeschichte von Hellas sodann ein solches Prophetentum wie das eines Ämos, Hosea, Jesaja usw. (vgl. Jer. 7, 25) aufzuweisen?8) Kurz, nur wer es leugnen zu dürfen meint, daß Israel das Volk der Religion in der antiken Menschheit gewesen ist, der darf dem hundertfach bezeugten religionsgeschichtlichen Bewußtsein Israels ,,mythologische Phantasien“ zum Quellpunkt und Inhalt geben. Ueberdies ignoriere man doch nicht immer weiter die nüchterne Scheu, die das althebräische Schrifttum tatsächlich gegenüber der bunten Menge von mythologischen Darstellungen Babyloniens betätigt hat, wie ich wohl zum ersten Male in ״Geschichte der alttestamentlichen Religion“ (1914), S. 179—182 entfaltet habe! Also die Vertreter der wahren Religion Israels haben die Verbindung mit mythologischen Vorstellungen, soweit eine solche zu ihnen vererbt worden war, gelöst, und wir haben kein Recht, eine solche Verbindung wieder herzustellen, wie es in der jetzt vielfach geübten Mythologisierung alttestamentlicher Texte (Ps. 19, 5 b — 7 usw.) geschieht.9) Also auch durch die Flucht nach dem Milieu kann man dem Urteile, daß in den religionsbegründenden Erlebnissen Abrahams, Moses und der Propheten sich der für ge- 7) Die babylonischen, ägyptischen, griechischen usw. Gegensätze sind in ,,Theologie Ä. T.“ (1923), S. 112—115 voll aus den Quellen belegt. 8) Welche Fragen noch weiter gestellt werden können, lehrt die stets komparative Darstellung in ״Theologie Ä. T.“ §8 usw. 9) Vgl. auch meinen Hiobkommentar (1929) im Register unter ״Mythologisierung“!

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