Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 564 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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564 Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere Der antwortet: Wenn du willst lebendig, wenn du willst tot. So; Menschensohn, werden diese Gebeine wieder aufleben? Und er antwortete: Ewiger, Gott, du weißt es.178 R. Chanina ben Papa wird hier mit diesem Gleichnis bemüht. Wenn sich angesichts einer der erhabensten Visionen der Bibel diese Ideenassoziation meldet, so muß das Erlebnis mit dem Vögel״ chen, das sich in der Hand des Vogelstellers ängstlich und verschreckt duckt, ein kleiner Druck und es ist nicht mehr, es muß dieses Erlebnis ein tiefgehendes gewesen sein. Es i s t es auch bei einem empfindsamen Menschen, der nun einmal, so gleichgültig er sonst an dem, was der Mensch am Tierleben sündigt, oft vorübergeht, von einem solch kleinen Ausschnitt ergriffen wird. Wir erinnern auch an die Selbstverständlich״ keit, mit der wir die Katze die Maus fangen lassen, an die Empörung, ja Erschütterung oft, wenn sie sich an einem Vögelchen vergreift. Aus der Art, wie man die pflügende Kuh behandelt, schlossen sie besinnlich, wie man sich selbst in Zucht zu halten habe. ,,Drei Namen hat der Stachel, mit dem man sie antreibt מרדע weil er der Kuh Erkenntnis beibringt, דרבן weil er in sie Einsicht legt, מלמד weil er sie das Pflügen lehrt.“ Dazu bemerkt R. Chama b. Chanina: ,,Wenn man für seine Kuh einen Stachel macht, wie erst für den bösen Trieb, der ihn um das Leben im Diesseits und im Jenseits bringt.“179 wobei nebenbei noch darauf verwiesen sein mag, wie diese Werkzeuge der Qual umgedeutet werden in ein Mittel, dem Tiere Verständnis beizubringen. In den Erzählungen, Vergleichen, Sprichwörtern, Gleichnissen kommen auch die schlechten Eigenschaften mancher Tiere zur Geltung. Aber von einer stärkeren Anteil nehmenden Verbundenheit spricht es doch, daß Schmäh- und Schimpfworte dem Tierreich fast garnicht entnommen werden. Wie reich ist 178 Gen. R. 19, 20. 179 Jer. Sanh. 28 a Z. 26.