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Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 558

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 558 (sequence 48)
Language
German
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558 Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere der Straußen um ihre Jungen erwähnt wird.152 Die Betonung der besonderen Liebe des Adlers zu seinen Jungen ist wohl nicht aus eigener Beobachtung, sondern als Erweiterung der biblischen Schilderung besonders Dt. 32, 11 entstanden: ,,Wie wenn der Aar zum Fluge treibt sein Nest, dann schützend über seinen Jungen schwebt, so breitet Gott die Schwingen aus und nimmt es auf und trägt es auf seinen Fittigen.“ Das כנשר יעיר קבו wird wörtlich genommen: der Adler weckt sein Nest auf. Er kommt nicht plötzlich in sein Nest, er klopft vorher über seinen Jungen mit den Flügeln zwischen Bäumen, zwischen Hütten, damit sie vorher aufwachen und die Kraft haben, ihn zu empfangen.15״ Er trägt seine Jungen auf seinen Flügeln. Der Adler braucht niHit wie die anderen Vögel einen Raubvogel zu fürchten, der von oben auf ihn herabstoßen könnte, nur den Menschen, der von unter auf ihn schießen kann. Und er spricht: Lieber sollen die Pfeile mich durchbohren als meine Kinder.154 Aus dem Eindruck seiner Verwendung als das gottgleiche Tier, ist wohl auch die sagenhafte Großmut zu erklären, mit der er die jungen Gemsen, die von ihren leichtsinnigen Müttern auf den hohen Felsen geboren werden und dann abstürzen, auffängt und sie der Mutter zurückbringt. Uebrigens ein ergreifendes Bild von der Heiligkeit der Mutterschaft, vor der auch der feindliche Verfolger (der Adler lebt ja von den jungen Gemsen, ja er braucht sie zur Zehrung für seine Jungen) sich beugt, seine innerste Natur verleugnet und seine stärksten Triebe unterdrückt.155 152 Chullin 64 b. Der Husgleich wohl darin gegeben, daß in den tropischen Gegenden der Strauß die Eier von der Sonne ausbrüten läßt, daher sich auch um die Jungen nicht kümmert, in den subtropischen dagegen brütet. Vgl. Lewysohn S. 189; vgl. aber Brehm II, 767. 153 Sifr. z. St. — Der gewaltige Eindruck dieses Königs unter den Raubvögeln wird deshalb doch oft genug betont: Jer. 49, 22; Ez. 17, 1 ff. 154 Mech. zu Ex. 19, 4. 155 Baba b. 16 a u. b. Lew. S. 115.

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