Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 548 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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548 Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere Darum merkten sie auch auf beim Frohsinn, bei der Lust der Tiere. Bei den vielen Bildern vom Hüpfen der Kälber und Lämmer wird offenbar zumeist an die Zeit gedacht, wo die jungen Tiere, zum ersten Mal im Frühling aus dem Stall gelassen, sich vor Freude und Uebermut wie toll gebärden. Immer wieder geht den Dichtern des Landlebens das Herz auf, wenn sie dies Bild in ihre Schilderung fügen. Wir erinnern unter anderem nur an die Szene im ,Jörn Uhl“ als in dem allgemeinen Frohsinn und der Freude die Keime der Liebe zu seiner ersten Frau sich regen. Fast mit Sicherheit kann man annehmen, daß an diesen ersten Ausflug ins Freie in Hiob 21 n gedacht ist, wo das Glück des Frevlers ausgemalt wird, ״sie lassen wie die Schafe ihre Buben los und ihre Kinder hüpfen“ (und damit das schwierige ישלחו befriedigend erklärt).109 Das satte Behagen, das die Tiere erfüllt, wenn sie ungestört bei ihrem Futter, und der Zorn und Schmerz, wenn sie ohne Nahrung sind, das wird dem Dichter des Buches Hiob zum Bild dafür, wie verzeihlich es ist, wenn sein Held, herausgerissen aus dem behaglichen Glücke, das ihn umgeben, und hineingestürzt in Elend und furchtbare Krankheit, nun sich aufbäumt gegen sein Geschick: ,,Schreit denn der Waldesel beim Grün, brüllt das Rind bei seinem Futter“ (Hiob 6,0). Sie sahen das Schöne und Stolze an den Tieren. ,,Schön kleidet die Armut Israel, wie ein roter Halfter an einem weißen Rosse.“11,Es ist wirklich!licht anders, als daß hier dem Dichter von seinem Felde kommend, je nach Begabung und Wissen sich mit der Schrift oder Mischnah befaßte. Das ist dort nicht als eine etwa nur theoretisch zu nehmende Vorschrift erwähnt. Es wird gemahnt, er solle vor dem Äbendessen noch das Äbendgebet verrichten,, damit er nicht, durch das Essen ermüdet, es versäume; und dabei gesagt, daß er vor dem Äbendgebet noch etwas sich mit Thora befasse, aus dem Gebiet, das er zu treiben pflegt. 109 Der Uebermut der Kälber und Füllen, die es nicht an einem Orte aushaiten: Jer. Baba bathra 13 d Z. 21 v. u. 110 Chagiga 9 b. — Vgl. auch Jer. Baba b. 16 b Z. 16, wo offenbar das weiße Roß auch noch der Tgp besonderer Kraft ist: