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Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 547

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 547 (sequence 37)
Language
German
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Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere 547 Was sie den Tieren, vor allem den Arbeitstieren schuldeten, war ihnen stets bewußt. Daher die oft liebevollen Be- Zeichnungen des Esels, ihres Reittieres, die schon mehrfach erwähnt und auf die wir noch zu sprechen kommen. Das pflügende Rind ist sowie der Äcker, dem man alles verdankt. ,,Nie in meinem Leben habe ich mein Rind mein Rind und mein Feld mein Feld genannt, sondern mein Rind mein Feld und mein Feld mein Rind.105 ,,Das Vieh des Menschen bedeutet ihm sein Leben.“100 ,,Die Kuh in den Ackerfurchen bringt der Welt das Leben.“107 Sie arbeiteten eben nicht nur selbst schwer auf dem Felde; sie sahen auch auf das Tier in seiner schweren Arbeit, und der Liebe und Dankbarkeit gegen ihre Helfer gaben sie beredter! Ausdruck. Ergibt sich aus der Beobachtung der mühseligen Arbeit des Tieres überall die rechte Einstellung in Wertung und Verhalten, so naturgemäß besonders bei den vom Denken und Fühlen der biblischen und talmudischen Autoren beeinflußten Bauern,108 die in ihren Satzungen und Sittenlehren auf das Mitfühlen verwiesen wurden. sollen nicht undankbar sein, denn beim Auszug aus Aegypten hat kein Hund die Zunge gegen sie geregt (Ex. 11, 7). Der Midrasch fährt fort: Bei den Hunden, wenn einer bellt, dann laufen alle zusammen und bellen ohne Grund mit. Ihr sollt aber nicht so sein, weil ihr heilige Männer seid, denn es heißt: ,,Und heilige Männer sollt ihr mir sein“. Nun haben diese Anfangsworte des Verses, in dem von dem Hunde die Rede ist, gar keine Beziehung zu dieser! Ausführungen. Der Gedanke schweifte von den letzten Worten לכלב תשליכון אותו hinüber zu den Anfangsworten des nächsten Verses ״ לא תשא שמעdu sollst nicht falsche Kunde annehmen, aussprechen“, שוא du sollst nicht auch gleich ״ohne Grund“ חנם mit dem Frevler mitsprechen; wenn ein Hund bellt, sollst du nicht ohne Grund mitbellen. Wie lebhaft muß nun diese Wahrnehmung des Einfallens aller Hunde in das Bellen des einen gegenwärtig gewesen sein, daß die Ideenassoziation sich bei dem Worte כלב das ja im Zusammenhang mit dem vorigen etwas ganz anderes enthaltenden Verse steht, sich sofort meldete. 105 Ruth R. 2, 8. 106 Ex. R. 26, 2. 107 Chagiga 3 b. 108 Der Bauer war durchaus nicht gleichbedeutend mit dem Ämhaarez trotz der Wortprägung. Vgl. Berachoth 4 b, wo der Bauer,

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