Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 541 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere 541 Wahres hast du getan und ich bin es, die gefrevelt.“ Ein treffendes Bild des Verfolgers und des frommen Verfolgten. Die Zuversicht des Verfolgers, der sich womöglich noch im Dienste einer höheren Aufgabe weiß (',בארם ד) und sein Triumph, wenn er das Ziel erreicht. Lob und Dank des Verfolgten bei der Rettung und fromme Ergebung in die göttliche Gerechtigkeit und ihr Walten beim Untergang. Der Hirsch spricht: Und ich singe, verkünde jubelnd jeden Morgen deine Liebe, denn du warst mir eine Feste, eine Zuflucht am Tage meiner Not.“ Das wehrlose, immer der Verfolgung ausgesetzte Tier klagt und jammert nicht. Nach überlebter Nacht ist der erste Gedanke: Ein Dankgebet an Gott für die Rettung aus der Not. Eine Mahnung an uns, nicht trübselig über das uns gewordene Los in weltfremder und weltfeindlicher Stimmung uns zu verbohren, sondern die Ueberwindung eines jeden Schicksals zum Anlaß nehmen, in Dank an Gott das Leben froh zu bejahen. Das Wild des Feldes spricht ״ •ברוך הטוב והמטיבGelobt sei, der gütig ist und Gutes tut.“ Das ist nun besonders feinsinnig. Dieser Segensspruch wird dann gesprochen, wenn einem Frohes geworden, das auch einem anderen Gutes bringt. Die Dichter haben es oft ausgemalt, wie dem Wild des Feldes der Tisch gemeinsam gedeckt ist. Kein Futterneid braucht sich breit zu piachen, alles ist in gleicher Weise geladen. Wenn doch auch wir die Welt so ansehen wollten und unser Streben nach Erwerb darauf einstellten, wieviel gemeinsame Freude würden wir erleben, anstatt im Kampf ums Dasein uns soviel Leid anzutun. Durchsichtig auch, wenn die Tiere durch ihre Gestalt auf die Wunder der Schöpfung hinweisen, wie wenn der Elefant sagt: ,,Wie groß sind deine Werke, Gott, wie tief deine Gedanken“, oder wenn sie sich selbst ihr Urteil sprechen. Der Fuchs spricht: ,,Weh’ dem, der sein Haus in Unrecht baut und seine Söller ohne Gerechtigkeit; für seinen Nächsten arbeitet er umsonst und seinen Lohn gibt er ihm nicht.“ Und der Wolf spricht das Rechtsgesetz vor, das für den gilt, der sich an fremdem Gut vergriffen: ״Für jedes Vergehen, für ein Rind