Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 538 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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538 Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere führt, und das wird ihm zum Gleichnis für die wunderbare Führung Israels in seiner Geschichte, ״durch den, du Gott dir, einen so ruhmvollen Namen gemacht.“ Wir sahen schon oben, wie das Leben der Tiere in der paradiesischen Urzeit als Idyll gedacht ist, wie der Tod vor dem Sündenfall sich auch nicht auf sie erstreckt. Auch da Gott dem Menschen Gewänder aus Haut macht, um sie damit zu bekleiden, muß kein Tier sein Leben lassen. Aus der Haut, die die Schlange zurückließ, als sie sich häutete, wurden diese Gewänder gemacht.84 Und hier sei nur nebenbei erwähnt, daß dieser Gedanke, es sei doch schwer zu tragen, wenn um der Kleidung des Menschen willen ein Tier sein Leben lassen müsse, noch bis auf die heutige Zeit nachwirkt. Während man sonst einem, der sich ein neues Gewand angeschafft, sagt: תבלה ותחדש wie das volkstümlich ausgedrückt wird: ,,Mit Gesund zu zerreißen! so darf das bei einem Pelz nicht geschehen, weil man dann eben wieder ein Tier oder eine Reihe von Tieren zu dem Zwecke töten müßte.s5 Alle Satzungen, die zum Schutze des Tieres gegeben, sind, wie früher ausgeführt, von dieser Fürsorge diktiert. Und wir verweisen auf all die Stellen, in denen von der Hilfe die Rede ist, die Gott dem Tiere zuteil werden läßt in seiner Not, daß sie in dem liebenden Gedenken Gottes auf der gleichen Stufe stehen, wie die Menschen. Die Tiere sind Gott dankbar und ehren ihn. ״Es ehren mich die Tiere des Feldes, die Schakale und die Strauße, weil ich in die Wüste Wasser gegeben, Ströme in die Oede, um zu tränken mein erwähltes Volk.“86 Das Bedeutsame hier, daß dort, wo Gott ein ganz Neues schaffen will, dort, wo verkündet wird, daß die Wunder der Vergangenheit vor den 84 Midr. Teh. zu Ps. 92 B. S. 405. 85 Schulchan Aruch Or. Chajim § 223, 6. — Auch R. Moses Isserles, der diesen Grund als ״schwach und nicht einleuchtend4‘ bezeichnet, muß zugeben, daß viele darauf achten, es in diesem Falle nicht zu sagen. 86 Jes. 43, 20.