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Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 537

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 537 (sequence 27)
Language
German
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Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere 537 Hörner, der sie erklingen läßt; vor dem Geräusche entfliehen dann jene Tiere.79 Diese Fürsorge beschränkt sich nicht nur auf die Ernährung. In kühner Teleologie wird die Beschaffenheit der Erde als zum Nutzen der Tiere angelegt betrachtet. ,,In Psalm 104“, sagt R. Judan, heißt es nicht ״auf den hohen Bergen die Gernsen“, sondern ״hohe Berge für die Gemsen“. Warum wurden die hohen Berge erschaffen? für die Gemsen!80 Die Liebe, die Gott den Tieren der Wildnis angedeihen läßt, wenn sie ihre Jungen zur Welt bringen, ohne daß sie der Hilfe des Menschen teilhaftig werden.81 Der Hindin, deren Gebärmutter zu eng, sendet er eine Schlange, die hineinbeißt, daß ihre Glieder sich lockern und nach der Geburt läßt er sie ein Kraut finden, nach dessen Genuß sie gesundet.82 Diese liebende Fürsorge erstreckt sich auf alle Tiere von den größten bis zu den allergeringsten. Man darf nicht etwa eine Art herausgreifen und sagen: ״Auf ein Vogelnest erstreckt sich dein Erbarmen“ (im Hinblick auf Dt. 22,6 ff.), weil man dann Neid unter den Werken der Schöpfung erregt.88 Wir lesen nur allzu flüchtig über das Bibelwort hinweg. Wie vielsagend das Wort Jesajahs: ״wie die Tiere in die Ebene hinabsteigen, der Geist Gottes geleitet sie, so hast du dein Volk geführt“. Man sieht den Propheten, wie in einer Vision eine Herde von den Bergen vor ihm herabsteigt, wie er des Wunders inne wird, daß jene doch eigentlieh unbeholfenen Tiere den gefährlichen Weg finden, es kann nicht anders sein, der Geist Gottes selbst ist es, der sie sicher 79 Jalkut zu Teh. § 862. 80 Midr. Teh. B. S. 444. 81 Hiob. 39, 1—4. Vgl. Gerhart Hauptmann ״Der Ketzer von Soana“: ״Das vereinsamte Muttertier in seiner Not, das ihn furchtlos anblickte, als ob es seine Hilfe erwartet habe, das tiefe Mgsterium der Geburt überhaupt inmitten der übergewaltigen Felsen- Wildnis, machten auf ihn den tiefsten Eindruck.“ s2 Jalkut zu Teh. § 862. 83 Ber. 33 b.

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