Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 533 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Um den Zionismus. 533 meinen europäischen Geisteslage das Verständnis für die religiöse Gedankenwelt etwas gewachsen ist, nicht überschätzen und als Symptom für das Steigen des misrachistisehen Einflusses werten. Ich glaube überhaupt nicht, daß entscheidende Veränderungen auf welchem Gebiet auch immer durch gütliches Zureden bewirkt werden können, und Ihr geistiger Pazifismus erscheint mir in höchstem Maße unwirklieh und lebensfern. Alle großen Ziele des Lebens können nie anders als im Kampf erlangt werden: dieser Kampf muß auf einer höheren Stufe der Gesittung nicht notwendig durch Waffen oder Prügel ausgefochten werden, er kann sich auch in der geistigen oder in der seelischen Sphäre, er kann sich auch allein in der Brust des Einzelnen abspielen, wenn eine entsprechend starke auslösende Kraft vorhanden ist. Aber Krisis und Entscheidung, Kampf und Ergebung, Sieg und Niederläge müssen sein. Wenn ich also, lieber Doktor Wolfsberg, das Angebot an Sie zum Eintritt in die Exekutive unerwähnt ließ, so wollte ich diese erfreuliche Tatsache, die von allen Ihren Freunden — zu welchen auch ich mich zählen darf — mit Sympathie begrüßt worden ist, damit keineswegs bagatellisieren; es war für Sie ein großer persönlicher Erfolg, und ich beglückwünsche Sie dazu von Herzen: aber die Stellung Ihrer Fraktion wurde dadurch nicht im mindesten gebessert. Ich hätte auch die Annahme dieses Angebots nicht mit den überschwenglichen Hoffnungen begleiten können, die in Ihren Kreisen offenbar daran geknüpft wurden. Ich glaube schon, daß in Ihrer feinfühligen und klug gestaltenden Hand das Erziehungswesen Palästinas einen großen Aufschwung genommen hätte, daß Sie das misrachistische Schulwerk vervollkommnet und konsolidiert, und daß Sie dem ideenlosen allgemeinzionistischen Erziehungssystem einiges Niveau gegeben hätten, aber das Ideal der nationalen Einheitserziehung, das Ihnen offenbar vorschwebt, halte ich für ein Phantom, zu dessen Ueberführung in die Wirklichkeit die Kräfte auch des Begabtesten nicht ausreichen. In der Erziehung sind Kompromisse am allerwenig-