Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 532 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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532 Um den Zionismus. verschiedener Werte ist schon philosophisch völlig unzulässig, und der Versuch, zwei Phänomene, von denen doch jedes außer dem Begriff noch seine ganz anders geartete geistige Atmosphäre und seinen besonderen Äusstrahlungsbereich mitbringt, auf der Grundlage von fifty-fifty zusammenzukoppeln, scheitert schon an seinem begrifflichen Widersinn. Natürlich kann man auch auf einer unzulänglichen ideologischen Grundlage eine Zeitlang praktische positive Politik treiben und allerhand Nützliches leisten, aber zu irgendwelchen großen, grundlegeaden Schöpfungen ist dieser Eklektizismus seinem Wesen nach unfähig. Aller gute Wille, der im Misrachi vorhanden ist, kann nicht das fundamentale Gesetz vergessen machen, daß alle großen Dinge dieser Welt nur aus Einem Zentrum, Einem Prinzip, Einer Idee geboren und gestaltet werden können. Das Wort Thora vor einen beliebigen zionistischen Gedanken gespannt, assimiliert ihn deshalb noch lange nicht dem religiosen Weltbild: es macht ihn damit höchstens reaktionär, das heißt: in jedem Sinne unfruchtbar. Und daß auch die nichtzionistische politisierende Orthodoxie in gewissem Maße diesem Irrtum verfallen ist und dem Zionismus seine Methoden abgeguckt hat, beklage ich noch mehr als Sie. Daher erscheint mir der Optimismus, mit dem Sie von der Möglichkeit einer Beeinflussung der zionistischen Bewegung im religiösen Sinne sprechen, nicht sehr berechtigt. Ich sehe nicht die Kraftquelle, aus der ein wirklich starker Einfluß fließen könnte. Ich habe auch leider nichts von der geachteten Position entdecken können, die der Misrachi jetzt im Zionismus innehaben soll. Achtung ist immer direkt proportional der Kraft, die sie hervorruft. Größere Ächtung wird wohl einzelnen Persönlichkeiten im Misrachi, nicht aber dem Misrachi als geistiger Potenz gezollt. Sie dürfen den Umstand, daß sich zwischen einigen Dutzend Intellektueller, die in jahrelanger Zusammenarbeit vertraut geworden sind, mit der Zeit urbane Verkehrsformen und freundschaftliche, ja herzliche Beziehungen herausgebildet haben, und daß ferner unter dem Einfluß der allge-