Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 534 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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534 Um den Zionismus. sten angebracht. Ich halte die organisatorische Verknüpfung des Misrachi mit dem Zionismus, im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung innerhalb der Orthodoxie, durchaus für kein Unglück; ich bin im Gegenteil der Ansicht, daß sie in manchem Bezug segensreich und fruchtbar gewirkt hat, und daß die sehr formelle Theorie, die sie bekämpft, den Imponderabilien und Notwendigkeiten des jüdischen Lebens nicht gerecht wird: aber die geistige Promiskuität, der sich der Misrachi in letzter Zeit hingegeben hat, und die in irgend einer Weise auch auf sein Erziehungssystem und seinen ideologischen Bestand zurückwirken muß, scheint mir Anlaß zu den größten Bedenken zu geben; es liegt darin eine Verwischung von Grenzen, die sehr feine aber auch sehr tiefe Unterschiede in verhängnisvoller Weise ignoriert. Ich betrachte aus allen diesen Gründen die Situaiion des Misrachi innerhalb des Zionismus als wenig hoffnungsvoll. Nur eine tiefgreifende Neuorientierung, eine grundsätzliche Neugestaltung seiner Ideologie und eine stärkere Fühiungnahme mit den Kernmassen der gläubigen Judenheit kann ihm den Weg zu einer fruchtbaren Entwicklung freimachen. Besonders die letzte Forderung ist dringend. Die gläubige Judenheit steht vor großen Aufgaben, die von einer Gruppe allein nicht gelöst werden können. Keine Gruppe darf auf die Verständigung mit der anderen und auf enges gemeinsames Arbeiten mit ihr verzichten. Nur aus der aufrichtigen und intensiven Zusammenarbeit an den großen jüdischen Gesamtheitsaufgaben kann jene wirkliche Einheit der nationalen Gemeinschaft hervorwachsen, die ich mit hoffendem Herzen und gläubiger Erwartung ersehne.2) 2) Eine Duplik des Herrn Dr. Wolfsberg folgt im nächsten Heft. Der Herausgeber.