Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 523 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Um den Zionismus. 523 Anfang an Goluchowskis Domäne. Die Pforte gab sich zu eingehenderen Verhandlungen mit Herzl nur her, weil sie die Kapitalkraft seiner Hintermänner und die Macht der Neuen Freien Presse überschätzte. Es ist geradezu ergreifend, seine politische Korrespondenz zu lesen, seine Auslassungen über die Weltlage: er scheint offenbar — bei aller sorgsamen Beobachtung, guten Kenntnissen und Informierung aus ersten Quellen — gar nicht recht erfaßt zu haben, was eigentlich in der Weltpolitik vorging, Situationen, die schon damals vor aller Augen klar zu Tage lagen, einfach nicht begriffen zu haben; und wenn ihm jemand die reale Lage und ihre Schwierigkeiten andeutete, so überhörte er es oder führte es auf schlechten Willen oder Borniertheit zurück. So war er stets von Illusionen umsponnen und sein Blick für die Wirklichkeit getrübt. Dabei war die Leistung an sich ein bewunderungswürdiges Phänomen. Wie er aus nichtigen organisatorischen Aafängen immerhin eine Weltbewegung erzeugte, wie er mit lauter Nullen jonglierte und dabei die Vorstellung von Millionen schuf, wie er, von ein paar Batlonim unterstützt, im Handumdrehen einen großartigen Apparat errichtete — das ist in der Tat ein Film von hinreißender Wirkung. Und dies alles, dieses plötzliche Ergriffenwerden von der Idee, diese manische Besessenheit, diese selbstlose Hingabe, dieser ergreifende Kampf, der Kampf eines höhergearteten Menschen mit Banausen und Philistern aller Art, kurz, die ganze herrliehe Linie dieses Lebens ist und bleibt eine unsterbliche, grandiose Epopöe. Er war ein Held; wir denken an ihn mit Zärtlichkeit, und immer werden wir ihm in unseren Herzen ein liebendes Gedenken bewahren; aber Wegweiser kann er uns nicht sein. Machen Sie sich also bitte von der Anschauung frei, Dr. Wolfsberg, als wollte ich hier irgend jemanden ״herabsetzen“, oder als führten mir ״Abneigung und Wohlwollen“ die Feder; nein, wir wollen uns nur klar werden über die Dinge, wie sie wirklich sind. Wir Juden sind ein viel zu