Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 522

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 522 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2293065-2293071--10749-2304048
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

522 Um den Zionismus. seine dramatische Phantasie. Aber für das ״unmenschliche“, unpersönliche Gefüge der Außenpolitik, für die besondere Gesetzmäßigkeit der außenpolitischen Beziehungen, in denen nicht Menschen auftreten sondern überpersönliche Mächte, für diesen ganzen selbsttätigen Mechanismus der Außenpolitik, der, unabhängig von Regierungsform und Weltanschauung, von Glücksstreben und Sittlichkeit des Individuums, kraft eigener Logik funktioniert, hatte er kein Organ. Die großen historisehen Entwicklungslinien, die die Außenpolitik der europäisehen Mächte bestimmten, ihre dominierenden Tendenzen hat er nicht erkannt. Als er, aus halkyonischen Gefilden kommend, mit kindlieh reinem Staunen die Erbärmlichkeiten der Deputiertenkammer wahrnahm, glaubte er den Schlüssel zur Weltgeschichte gefunden zu haben. In vorschneller Verallgemeinerung betrachtete er auch die große Politik nur mehr als Ausfluß der Schwächen und Leidenschaften der Menschen, und er vermeinte, durch edle Haltung und Lauterkeit der Gesinnung einerseits und durch geschickte Handhabung der diplomatischen Technik andererseits,. Wesentliches, wenn nicht alles, erreichen zu können. Mit ersterem konnte er einen so durch und durch kultivierten Gentleman wie Großherzog Friedrich, den Schüler Dahlmanns und Schlossers, der noch ganz in der geistigen Luft des deutschen Idealismus lebte, im Sturm gefangen nehmen, mit letzterem auf die levantinischen Kreaturen, die die damalige türkische Diplomatie beherrschten, einigen Eindruck machen. Aber womit konnte er den Männern imponieren, die wirklich die europäische Politik gestalteten, einem Bülow, einem Salisbury, einem Witte? Von denen, die unmittelbar an der Orientpolitik beteiligt waren, den Marschall, Hartwig, Lord Cromer, gar nicht zu reden. Kein maßgebender Staatsmann hat sich mit Herzl ernsthaft eingelassen. Wenn Badeni ihm ein Regierungsblatt antrug, so wollte er seine journalistische Unterstützung in der Hauptsache für die innenpolitischen Verwicklungen, die ihm bevorstanden; um die Außenpolitik kümmerte sich Badeni nicht viel, die war von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.