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Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 521

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 521 (sequence 11)
Language
German
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Um den Zionismus. 521 Verstellung von der Polarität von Galuth und Judenland in die Gemüter eingeimpft — eine Konstruktion von Verhängnisvoller Tragweite. Denn fortan erschien das materielle Judenprcblem dauernd unter schiefem Gesichtswinkel, und unter so gewonnener Prämisse konnte es gar nicht mit rein realpolitisehen -7Viethoden angefaßt werden. Noch mehr: auch die Eroberung des Judenstaats selber betrieb Herzl unter vollständiger Verkennung der realen Gegebenheiten. Die sachliche und technische Vorbereitung des Unternehmens war höchst unzulänglich: während er in seinem schneller! Kopf fortwährend phantastische finanzielle Konibinationen entwarf und eingehende Details für repräsentalive Schaustellungen ausarbeitete, war er von den wichtigsten Tatsachen des Landes, von grundlegenden statistischen Ziffern — noch in einem weit vorgeschrittenen Stadium der Bewegung — nur sehr mangelhaft unterrichtet. Er setzte alles auf eine Karte, auf die großzügige politische Aktion, und merkwürdig: in der großen, reichen Begabung Herzls fehlte völlig gerade das Talent zur hohen Politik. Herzl war ein glänzender Diplomat, wenn man das Wort Diplomatie in seinem populären Sinn verstehen will. Er beherrschte virtuos das ganze Register der kleinen diplomatischen Mittel, die Technik der Verhandlung und der Kombination, des vorsichtiaeii VerSchweigens und des geschickten Lavierens, die leisen Nuancen des taktischen Spiels. Von der Intrige des Gesellschafts- Stücks hatte er die Kunst des Dialogs und die Gabe, verwickelte Situationen schnell zu durchschauen, vom Journalismus her die Lokalkenntnis und die Vertrautheit mit dem Apparat. In der Innenpolitik kannte er sich vorzüglich aus: als Dramatiker hatte er Neigung und aus seiner starken sozialen Interessiertheit her Leidenschaft für die sozialen Probleme und die Vorgänge der Innenpolitik; der noch deutlich erkennbare, unmittelbar menschliche, konkrete, lebensnahe Ursprung der innenpolitischen Kämpfe, bei denen es in irgendeiner Form immer um unmittelbare Lebensgestaltung und um lebendige Menschen geht, erregte seinen ethischen Willen und

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