Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 520 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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520 Um den Zionismus. und so wie er ist, mit allen seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten ist er uns ans Herz gewachsen. Äber da er in die Geschichte trat, entstand zugleich seine metaphysische Verantwortung: und nicht der Mensch Herzl wird gerichtet, sondern sein Werk. Herzl hat die Schicksalsidee des Judentums nicht erkannt, und er hat nicht begriffen, daß eine partielle Lösung der Judenfrage, die nicht im engsten Zusammenhang mit der jüdischen Schicksalssendung steht, nicht möglich ist. Ändere Völker können wohl ihr irdisches Dasein unabhängig von ihrer metaphysischen Äufgabe ordnen; das jüdische, das nicht wie die andern sich von dem ihm gesetzten Schicksal tragen lassen dar! sondern es tätig erfüllen muß, dessen ganzes Leben von seinem Schicksalsgedanken umspannt ist, in dessen einfaches tägliches Tun noch sein Schicksal hereinhängt, kann es nicht. Herzl hat, wie alle Wirklichkeit, auch die höhere Wirkiiehkeii seines Volkes nicht wahrgenommen und versuchte es fremden Alaßstäben zu unterwerfen. Für das Eigene am jüdisehen Volk hatte er kein Äuge. Manchmal verließ ihn da selbst sein künstlerischer Instinkt. Nicht einmal Erez Israel hatte ihm etwas zu sagen. Was er dort wahrnahm, waren enge Quartiere und malerische Aussichten; er wollte aus der Klagemauer unverzüglich ein zweites Lourdes machen, aus dem Jaffator einen Ärc deTriomphe, aus dern Oelberg einen Gianicolo; die Seele des Landes hat er nicht erfühlt. Äber nicht nur die höhere Wirklichkeit des Volkes hat Herzl verkannt. Unterstellt, es sei möglich, zunächst mit der materiellen Judennot allein ohne Verbindung mit der jüdischen Schicksalsidee fertig zu werden: auch vor dieser niederen Wirklichkeit des Judentums hat Herzl versagt. Sprechen wir nicht von der Konzeption des Judenstaats: die Konzeption an sich ist eine neutrale und erhält ihren Wert, je nach dem Zusammenhang, in welchen sie eingesetzt wird. Äber Herzl hat, um sie zu begründen, das Dogma von der Verneinung des Galuth mit schaffen helfen, und hat so, indem er den metaphysischen Begriff des Galuth in einen geographischen verwandelte, die